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Kita-Vergabe: Keine Nachricht ist keine gute Nachricht

SPRINGE. Wenn sie für ihr Kind auch in diesem Jahr eine Absage bekommt, dann fürchtet Ann-Cathrin Plustwik um ihre wirtschaftliche Existenz: „Wenn wir wieder leer ausgehen, muss ich meinen Job kündigen“, sagt die Mutter. Und kritisiert, dass die Stadt vor der zweiten Kitaplatz-Vergaberunde keine Absagen verschickt.

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Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Dann könnte man wenigstens rechtzeitig Alternativen organisieren“, sagt die Holtenserin. Ihr sei seitens der Kita gesagt worden, dass weder Stadt noch die Einrichtung es leisten könne, vor dem zweiten Verfahren im Mai Absagen zu verschicken.

Fachbereichsleiterin Hanna Kahle räumt ein, dass die entsprechenden Schreiben erst mit der zweiten Vergaberunde im Mai verschickt würden. Das sei keine böse Absicht, sondern habe praktische Gründe. Wie aber sieht es mit den Zusagen aus? Plustwik argumentiert, dass die Stadt ja signalisieren könne: Wer bis zu einem bestimmten Stichtag keine Zusage bekommen habe, müsse einer Absage ausgehen: „Dann könnte man sich darauf einstellen.“

Kahle stellt klar, dass die Zusagen Sache der Kitas sind – „wann mit einer Zusage zu rechnen ist, wird über die Betreuungseinrichtungen kommuniziert“, erläutert sie. Heißt: Eltern sollten bei ihrer Wunsch-Betreuungseinrichtung nachfragen, wann es entsprechende Infos gibt. Im Umkehrschluss müsse eine nicht erhaltene Zusage aber nicht automatisch heißen, dass man wirklich leer ausgeht. Kahle: „Sollte jemand auch in der zweiten Runde keinen Platz finden, sind wir bemüht, eine Alternative für die Betroffenen zu finden.“ Verlassen kann sich darauf freilich niemand.

Plustiwk geht für sich vom Schlimmsten aus: „Dann muss ich meinen Job aufgeben, um die Betreuung zu gewährleisten.“ Denn Plustwiks Mutter könne diesmal nicht, wie im Vorjahr, die Tochter betreuen. Und eine Betreuung durch Tagesmütter, die im vergangenen Jahr später noch gerade so zustande gekommen sei – „wir waren in Eigeninitiative von Tür zu Tür gelaufen, um das zu organisieren“ – komme 2019 nicht infrage, weil Plustwiks Tochter schon drei Jahre alt ist. Und damit zu alt für diese Form der Betreuung.

Zwar hofft sie noch, dass einzelne Tagesmütter auch Kinder annehmen, die älter als drei Jahre alt sind – weiß darüber aber noch nichts Genaues. Zumindest in der Hinsicht kann ihr Kahle Hoffnung machen: Wenn alle Plätze vergeben sein sollten, werde sich die Stadt die Einzelfälle anschauen – und gegebenenfalls die Tagespflege auch für über Dreijährige zugänglich machen. Generell könnten auch über den Mai hinaus noch Einzelplätze vermittelt werden, etwa weil Familien umzögen und ein Platz frei werde. Für Plustwik ist das ein schwacher Trost. „Unsere Tochter ist im Kindergartenalter – und den sollte sie auch besuchen.“

Für Stadt und Kitas ist das laufende Verfahren auch Mangelverwaltung: Deutlich mehr als 100 Kinder dürften auch dieses Mal nicht den Wunsch-Betreuungsplatz bekommen.



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