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Kitas, Schulen und Häuser – wo soll das alles hin?

SPRINGE. Wer sagt, in Springe tut sich nichts, dem kann man momentan ziemlich leicht das Gegenteil zeigen: Private Investoren ziehen Wohnhäuser hoch, schmieden Pläne für Nachnutzungen oder Sanierungen.

Auch für das Otto-Hahn-Gymnasium stellen sich absehbar die Fragen: Sanierung oder Neubau? Und wenn Neubau – wo? Foto: Archiv
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Und die Stadt selbst? Pumpt Millionen in Kanäle und Straßen, in Schulen, in neue Kindergärten, in Feuerwehrhäuser, ins Rathaus. Springe wächst – und gerät dabei immer mal wieder an Grenzen, die man erst auf den zweiten Blick sieht.

Siedlungsentwicklung nennt der Fachmann, stark vereinfacht, diese Planung: Was soll wo hin? Und was nicht? „Immer komplexer“ werde das Thema, sagt Vize-Rathauschef Clemens Gebauer. Beispiel Schulen: Nach der Debatte um den Ausbau des Schulzentrums Nord für die neue Integrierte Gesamtschule stellen sich auch für das Otto-Hahn-Gymnasium absehbar die Fragen: Sanierung oder Neubau? Und wenn Neubau – wo? Für die Stadt ist das nicht nur eine Frage des passenden Grundstücks, das es je nach Größe mitunter eher am Stadtrand als in der dichter bebauten Mitte gibt. Sondern auch eine Frage der Folgekosten.

Denn wer außerhalb, etwa auf einem Feld, neu baut, der braucht auch neue Straßen, neue Kanäle, Strom- und Wasseranschlüsse. Die nicht nur gebaut, sondern auch betrieben und instandgehalten werden müssen. Dazu kommt: Aus Naturschutzgründen – und weil es das Baugesetz inzwischen vorgibt – wollen die Planer grüne Flächen nur überbauen und versiegeln, wenn es nicht anders geht. Heißt auch: Manchmal muss man Prioritäten neu setzen. Deshalb steht in Bennigsen auf dem alten Festplatz nun das neue Feuerwehrhaus. Volks- und Schützenfeste wurden dort nach langjährigen Lärmstreitigkeiten schon lange nicht mehr gefeiert.

Und auch in der Kernstadt finden solche Überlegungen gerade statt. Der Museumshof könnte für den Rathaus-Ausbau schrumpfen. Und der Festplatz an der Harmsmühlenstraße: den hatten sich Stadt und Teile der Politik als bevorzugten Standort für einen großen Kindergarten-Neubau ausgeguckt. Größere Veranstaltungen wie Schützenfest, Osterfeuer oder Zirkusauftritte hätten dann keine Heimat mehr, warnt auch CDU-Ratsherr Tim Schmelzer: „Wenn wir alles zubauen, haben wir irgendwann nichts mehr für Veranstaltungen.“ Im Kopf hat der Politiker dabei auch den Museumshof, der für ein neues Rathaus zumindest teilweise überbaut werden könnte: Für Veranstaltungen wie die Wirtschaftsschau am kommenden Wochenende, aber auch für den Töpfermarkt dürfte es dadurch dort deutlich enger werden.

Schmelzer schwebt stattdessen – etwa für eine Kita – eher das frühere Krankenhausgebäude vor: Hier hatte Bürgermeister Christian Springfeld schon vor einigen Tagen die Region gemahnt, endlich wegen einer Nachnutzung aktiv zu werden. Schmelzer selbst hatte früher im Krankenhaus gearbeitet und sich auch über den Förderverein gegen die Schließung eingesetzt.

Den Platz-Konflikt, den merkt man auch beim Thema Wohnen. Die Nachfrage nach Eigentums- und Mietwohnungen soll durch Neubauprojekte am Oberntor, am Kalkwerk und im früheren Sparkassenhochhaus an der Bahnhofstraße zumindest gemildert werden. An allen drei Orten nutzen die Investoren vorhandene Flächen neu: Wohn- und Geschäftshäuser, ein Bauernhof und leer stehende Praxis- und Geschäftsräume weichen.

Schwieriger ist die Lage beim Thema Baugebiete in der Kernstadt – seit Jahren schon: Am Großen Graben oder an den Bähre-Höfen gibt es kaum noch freie Grundstücke. Und bei möglichen Optionen kommen Politik und Stadt nicht so recht weiter: Seit Jahren sind der Deisterkessel (nördlich der Straße Hamannsbruch) sowie die nicht genutzten Erweiterungsflächen des Neuen Friedhofs an der Hamelner Straße im Gespräch.

Im Hinterkopf haben die Verantwortlichen dabei jedoch ein ganz anderes Platzproblem: Von neuen Baugebieten profitiert auch Springe am meisten, wenn diese tatsächlich neue Einwohner anlocken. Ziehen in die neu gebauten Häuser jedoch die Bewohner des alten Stadtkerns, gewinnt die Stadt keine Einwohner – sondern im Ernstfall sogar neue Leerstände.



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