weather-image
24°
Superintendent Brandes will besonders die kleinen Gemeinden stärken

Kirche glaubt an die Dörfer

Springe. Trotz sinkender Mitgliederzahlen will sich die evangelische Kirche nicht aus der Fläche zurückziehen. Gerade in Dörfern wie Altenhagen I, in denen die Infrastruktur zurückgebaut werde und die Schule schließe, solle ein Pastor wohnen. „Dazu stehe ich“, erklärte Superintendent Detlef Brandes während der Kirchenkreistagssitzung im St.-Andreas-Gemeindehaus.

270_008_6740205_spr_St_Andreas_Kirche_mit_Linde.jpg
marita

Autor

Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Einmal jährlich legt Brandes seinen Ephoralbericht für den Kirchenkreis Laatzen-Springe vor. Das Papier ist ein Wegweiser und enthält Kernthesen für die Zukunft. Zum wiederholten Mal bat Brandes die anwesenden Pastoren und gewählten Ehrenamtlichen, ihren Blick nicht nur auf die treuen Kirchgänger zu richten: „Maßstab sind diejenigen, die wir nicht erreichen.“ Sie würden oftmals 90 Prozent der Gemeindemitglieder ausmachen – den Großteil also.

Brandes brach auch eine Lanze für die seelsorgerische Arbeit in den Dörfern. Die Haushaltsmisere der Kommunen führe dazu, dass Orte schrumpfen und verrotten. Die Kirche könne diesen Prozess nicht aufhalten, sie müsse aber die Witwe im Auge behalten, die mit ihrer kargen Rente in einem nicht energetisch-sanierbaren Siedlungshaus aus den 60er Jahren lebe und mit der Pflege des großen Grundstücks überfordert sei.

Er könne nicht sagen, wie lange die Kirche den Prozess mit ihrem ebenfalls weniger werdenden Personal begleiten könne, sagt Brandes. „Wir sind nicht arm, aber wir können uns nicht – wie der Staat – jederzeit frisches Geld besorgen.“ Um so mehr hoffe er, zusammen mit den Kirchengemeinden tragfähige Konzepte erarbeiten zu können.

Eine sichere Zukunft wünscht sich Brandes auch für besondere Angebote wie den Nachbarschaftsladen „Doppelpunkt“ in der Springer Innenstadt. Die derzeitige befristete und „nie ausreichende“ Finanzierung sei prekär. Sein Appell: „Lassen Sie uns überlegen, wie wir diese Projekte so ausstatten, dass nicht die Sorge ums Überleben das Denken bestimmt, sonder die Freude, in Seelsorge und diakonischem Netzwerk die frohe Botschaft erfahrbar zu machen.“

Auch St.-Andreas-Pastor Klaus Fröhlich wünschte sich in der anschließenden Diskussion „mehr Mut“, die Leistungen der Kirche herauszustellen: „Welche andere Großinstitution erreicht schon zehn Prozent ihrer Leute?“

Brandes fand stellenweise sehr deutliche Worte. Er habe im vergangenen Jahr den Vorwurf gehört, bestimmte Gemeinden öffentlich besser darzustellen als andere: „Diese Eifersüchteleien, dieser Neid untereinander sind unerträglich.“

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare