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Pädagoge einer Umland-Schule wird verurteilt – und klagt gegen seine Entlassung

Kinderporno-Fotos: Lehrer vor Gericht

Springe. Ein Mann lädt Kinderporno-Bilder aus dem Internet herunter – und fliegt durch Interpol-Ermittlungen auf. Noch schlimmer: Zur Tatzeit ist er als Lehrer an einer Schule im Umland beschäftigt, die auch von rund 100 Springer Schülern besucht wird. Das Amtsgericht Springe verurteilt den Pädagogen per Strafbefehl, er verlässt die Schule. Jetzt hat sich der 52-Jährige vor dem Verwaltungsgericht Hannover durchgesetzt: Das Land darf ihn wegen seiner Verurteilung nicht aus dem Dienst entfernen. Stattdessen wird der Lehrer zwei Gehaltsklassen zurückgestuft – und trägt 70 Prozent der Verfahrenskosten.

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VON CHRISTIAN ZETT

Blick zurück: Der verheiratete, nicht vorbestrafte und tadellos arbeitende Pädagoge gerät 2011 das erste Mal ins Visier der Behörden: Interpol Luxemburg hatte der deutschen Polizei Internetprotokolle geliefert, die belegen sollten, dass der Mann von seinem Heim-Computer aus Zugriff auf pornografische Bilder hatte, die Minderjährige zeigten. Am 20. Mai 2011 erstattete die Kripo Hannover schließlich Anzeige gegen den Lehrer. Das zuständige Amtsgericht Springe bekam den Fall auf den Tisch und verurteilte ihn im Oktober 2012 wegen der „Sich-Verschaffung und des Besitzes von kinderpornografischen Schriften“ zu einer Geldstrafe, die der Angeklagte akzeptierte.

Gericht:

Vertrauensverhältnis ist zerstört

Daraufhin leitete das Land als Arbeitgeber des Lehrers ein Disziplinarverfahren ein – und klagte am 9. August dieses Jahres vor dem Verwaltungsgericht auf Entlassung aus dem Schuldienst. Begründung: Durch das schwere Dienstvergehen des Mannes sei das Ansehen des Landes als Dienstherr beschädigt, das Vertrauensverhältnis zerstört.

Doch das Gericht entschied jetzt, dass der Lehrer nicht entlassen werden darf. Zwar habe er durch den Zugriff auf Kinderpornografie außerhalb der Schule ein „schweres Dienstvergehen“ begangen und damit eine „Kernpflicht“ seines Beamtenverhältnisses verletzt.

Trotzdem müsse sich die Konsequenz für den Lehrer vor allem an der Schwere der Tat und der Verurteilung orientieren. Das Bundesverwaltungsgericht hatte geurteilt, dass Strafen von unter einem Jahr nur Disziplinarmaßnahmen „im unteren Bereich“ möglich machen – in diesem Fall trifft das zu, weil der Lehrer nicht zu einer Haft-, sondern nur zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Der Pädagoge arbeitet inzwischen nicht mehr an der Schule: Während er in einer Internet-Liste der dort beschäftigten Lehrkräfte von 2011 – dem Zeitpunkt der ersten Anzeige – noch aufgeführt wird, fehlt er in der aktuellen Version.

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