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Gegen die Angst: Entspannungs-Projekt der Kita in Lüdersen und der Diakonie Himmelsthür

Kinder treffen Menschen mit Behinderung

Von Christian Zett

Lüdersen. Lotte ist entspannt. So richtig. Das kleine Mädchen liegt auf der Kuschelmatte und relaxt. Sie ist hier zu Besuch, im Snoezelen-Raum der Diakonie Himmelsthür, zusammen mit den anderen Mädchen und Jungen von der DRK-Kita Lüdersen.

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Von Christian Zett

Lüdersen. Lotte ist entspannt. So richtig. Das kleine Mädchen liegt auf der Kuschelmatte und relaxt. Sie ist hier zu Besuch, im Snoezelen-Raum der Diakonie Himmelsthür, zusammen mit den anderen Mädchen und Jungen von der DRK-Kita Lüdersen. Die Kinder sollen hier entspannen lernen – und ihre Ängste gegenüber den Bewohnern der Behinderten-Einrichtung abbauen.

Schon länger war das gemeinsame Projekt in der Mache – jetzt haben Diakonie-Leiterin Susanne Renner, Tagesförderungs-Mitarbeiterin Jeanette Rad und Kita-Chefin Daniela Klemm die Details festgezurrt. Die Kinder kommen einmal pro Woche in die Räume der Diakonie. Hier hat die Einrichtung viel Geld investiert – in ein riesiges Bälleparadies, ein Wasserbett mit Musikvibrationen, in einen Barfußpfad und einen großen Snoezelen-Raum mit Wasser-Licht-Säulen, einem künstlichen Sternenhimmel und Wandprojektionen.

Für die teils schwerstbehinderten Himmelsthür-Bewohner ist die Anlage Mittel zur Entspannung, zur Entdeckung des eigenen Körpergefühls. „Viele wissen gar nicht, wo genau ihr eigener Körper anfängt, wo er aufhört. Für Blinde ist zum Beispiel das Wasserbett ein Wahnsinnserlebnis“, erklärt Rad. Im stressigen Berufsalltag finden hier einige der Mitarbeiter auch Entspannung. „Wenn man bei der Einzelbetreuung mit auf dem Bett liegt, muss man sich manchmal einen Wecker stellen...“, sagt Rad und lacht.

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Im Snoezelen-Raum der Einrichtung toben die Kinder – oder sie entspannen sich einfach.

Die Kinder entspannen sich nicht alle – so wie Lotte. Zu siebt sind sie heute hier, bewusst bringen die Erzieherinnen aus der Kita jede Woche nur Kleingruppen mit zur Diakonie. Manche toben durch die Räume – für Klemm ist es erstaunlich, dass sich die anderen direkt daneben entspannen können. „Für sie ist das ein tolles Abenteuer hier“, sagt die Kita-Leiterin. Auch die Mädchen und Jungen sollen Körper-Erfahrungen machen – Wahrnehmung, Geschick, Gefühl.

Aber sie sollen auch Hemmungen abbauen – Ängste gegenüber den Himmelsthür-Bewohnern. „Sie wissen einfach noch nicht, wie sie mit den Behinderungen der Menschen umgehen sollen“, sagt Klemm. Die Kleinen nehmen die Großen als Erwachsene wahr, die sich manchmal verhalten wie Kinder. „Oder unsere Bewohner sehen aus Sicht der Kinder beeinträchtigt aus, haben Speichelfluss oder gehen anders“, weiß Renner. Um diese Unsicherheiten abzustellen, sollen in den kommenden Wochen nach und nach die Bewohner zu den wöchentlichen Spielvormittagen dazu kommen – und selbst Erfahrungen dabei machen, sagt Renner: „Es ist für sie ein anderer Kontakt zu Menschen, die sich manchmal ähnlich verhalten wie sie.“

Wahrnehmung schulen auf dem Barfußpfad: Hella (l.) und Luzie aus der Kindertagesstätte in Lüdersen.



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