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Wie ein heimischer Biobauer den Dioxinskandal erlebt

Kein Platz für ein Triumph-Lächeln an der Industriestraße

Springe. Schadenfreude ist nicht so der Fall von Marit Bartels. Sie und ihr Mann Friedrich registrieren seit dem Dioxin-Skandal auf ihrem Bio-Bauernhof einen Kundenzulauf. Trotzdem: „Wir sitzen hier nicht mit einem triumphierenden Lächeln“, sagt Marit Bartels. Sie fürchtet eher, dass das Thema wie so oft nach ein paar Wochen wieder in der Versenkung verschwindet. Und sich doch wieder nichts ändert.

Landwirt Friedrich Bartels an seiner Eier-Sortiermaschine. Sein Hof an der Industriestraße läuft nach dem Bio-Prinzip – un
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

2000 Hühner halten die Bartels auf ihrem Gelände an der Industriestraße, direkt gegenüber vom Bahnhof und inmitten von Lagerhallen und Gewerbebetrieben. Weitere Tiere leben an der Straße „Im Reite“, hier hat der Landwirt im vergangenen Jahr einen Stall von einem Kollegen übernommen und aufwändig umgestaltet.

Wohlfühlprogramm für das Federvieh

Auch hier läuft jetzt alles nach dem Bioprinzip, nach dem das Paar schon seit mehr als 25 Jahren den ganzen Hof führt: Hier leben vier Hühner pro Quadratmeter – damit haben sie dreimal so viel Platz wie bei herkömmlicher Bodenhaltung. Für Friedrich Bartels ist wichtig, dass die Hühner möglichst wenig Stress haben: „Sie sollen sich wohlfühlen.“ Denn sonst können sie anfangen, aufeinander einzupicken – ein Grund, aus dem in vielen engeren Ställen die Schnäbel der Hühner gestutzt werden, damit sie sich im Stress nicht gegenseitig verletzten.

Wer die Tiere auf dem Hof von Bartels besucht, findet Ställe mit vorgelagerten Außenverschlägen voller Stroh, die Hühner sehen gesund aus, flattern, scharren. Nebenan liegt ein großes Feld, auf dem sie tagsüber picken können. Zwischen den Hühnern stolzieren die Hähne, die Chefs der Gruppe.

Die lange Kette, mit der jetzt die Dioxin-Eier vom Futterhersteller zum Erzeuger über den Verpacker nach Springe gelangten – sie gibt es bei Bartels nicht. Er baut Getreide und Ackerbohnen an, mit denen er sein Futter zu 80 Prozent selbst vor Ort anrührt. Doch ganz ohne Zutat von außen geht es dann doch nicht: Eine Sojamischung vom größten norddeutschen Bio-Futterhersteller rundet die Zutaten ab: „Mir ist da der persönliche Bezug zum Lieferanten sehr wichtig“, sagt Bartels. Bis zu fünfmal teurer als konventionelles Futter komme ihn diese Variante zu stehen, sagt er.

Gelegt, sortiert und verpackt werden die Eier dann direkt an der Industriestraße – zum Verkauf nutzen die Bartels‘ ihren eigenen Hofladen oder Wochenmarktstände in Bad Münder, Springe und Gehrden. Insbesondere auf den Märkten ist seit Bekanntwerden des Dioxin-Skandals die Nachfrage groß: „Wenn wir letztes Jahr nicht unseren Hühnerbestand aufgestockt hätten, sähen wir da alt aus“, sagt Marit Bartels.

Überprüft wird der Hof an der Industriestraße ohnehin mehrmals pro Jahr: Hygiene, Lebensmittelqualität – und mit dem Dioxin-Skandal ist das Auge des Gesetzes gefühlt noch ein bisschen strenger geworden. Erst gestern Morgen stand wieder ein Kontrolleur auf der Matte, begutachtete unter anderem den Eiersortierraum. Hier stapeln sich volle und leere Eierkartons, mit einem sanften Klicken ordnet der kleine Apparat die Eier nach Größen.

Klar ist: Wer Bio kauft, zahlt meist mehr – ob beim Fleisch oder bei den Eiern. Eine finanzielle Entscheidung sei diese Art der Hofführung trotzdem nicht gewesen, sagt Friedrich Bartels entschieden: „Sie verdienen vielleicht an den Produkten mehr. Aber dafür haben sie auch erheblich mehr Arbeit.“ Trotzdem: „Für uns kam nie etwas anderes infrage.“



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