weather-image
25°

Kein Anschluss unter dieser Nummer

SPRINGE. Im Stadtbild sind sie zu einer Rarität geworden: Ganz ausgestorben sind sie aber noch nicht, die Telefonzellen. Wirtschaftlich lohnen sich Fernsprecher im Smartphone-Zeitalter aber kaum noch. Die Ortsratsmitglieder müssen deshalb jetzt entscheiden, ob sie abgebaut werden sollen.

Die Telefonzelle in Gestorf. Foto: Archiv
saskia

Autor

Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

„Es geht dabei in erster Linie nicht nur um die Wirtschaftlichkeit, sondern um die Notwendigkeit“, betont Springes Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich. In der Kernstadt gibt es derzeit noch drei Telefonzellen: In der Fünfhausenstraße, Zum Ebersberg und Hinter der Burg. Für Letztgenannte hatte sich der Ortsrat bereits für eine Demontage ausgesprochen. „Die Wohn- und Lebensqualität hängt sicher nicht von einem Fernsprecher ab – da gibt es wichtigere Dinge, wie zum Beispiel die Erreichbarkeit von Kreditinstituten“, sagt Friedrich.

Die Politik muss sich entscheiden, die Zellen entweder durch Basistelefone zu ersetzen oder sie ersatzlos abzubauen. „Von dem Basistelefon bin ich nicht überzeugt, kaum jemand wird das nutzen“, glaubt der Ortsbürgermeister. Denn dieses Basistelefon, meist ein Metallpfosten, an dem ein Telefon angebracht ist, kann nur noch mit einer Telefonkarte genutzt werden – so können keine Münzkassetten mehr geklaut werden. Notrufe sind aber ohne Karte möglich. „Ich bin ein Freund der Nostalgie und ich setze mich auch dafür ein, dass sich die Stadt nicht tot spart – aber die Telefonzellen sind aus der Mode gekommen.“

Bundesweit sind noch rund 20 000 öffentliche Telefone in Betrieb – in den vergangenen Jahren ist die Zahl immer weiter zurückgegangen. Auch in Springe sind die 13 Standorte extrem unwirtschaftlich. In Altenhagen, Alvesrode oder Lüdersen zum Beispiel liegen die monatlichen Einnahmen unter einem Euro. Die Telekom darf Städte anschreiben, wenn dort der Umsatz geringer als 50 Euro im Monat ist.

„Der Umsatz ist ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der NDZ.

Gleichzeitig ist die Telekom aber verpflichtet, eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Telefonstellen sicherzustellen. Trotzdem: Das Unternehmen beobachtet, dass immer mehr Menschen auf ihre Handys zurückgreifen. „Ich habe dort seit Jahren niemanden telefonieren sehen“, sagt auch Ortsbürgermeister Dieter Gonschorek. Alvesrode habe allerdings noch nie mit Vandalismus in den Zellen zu kämpfen: „Wenn es den Ort nichts kostet, dann kann der Fernsprecher bleiben.“

Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Rohlf will für Eldagsen eine Grundversorgung behalten – unter 10 Euro bringt die Telefonzelle in der Wallstraße monatlich ein. „Wir hatten vor einigen Jahren schon einmal entschieden, den Fernsprecher zu behalten, da hatte er sich aber wirtschaftlich noch gelohnt.“

Die öffentliche Sitzung des Ortsrates Springe beginnt am Mittwoch um 18 Uhr im Restaurant Da Franco.

Information

Alferde: Im Wienhagen 1
Altenhagen: Zum Nesselberg 25

Alvesrode:Zum Saupark 8

Bennigsen: Hauptstraße und Lüderser Straße 14

Eldagsen: Wallstraße

Gestorf: In der Welle 5

Holtensen: Dorfstraße 29

Lüdersen: Bergdorfstraße 25

Völksen: Am Dahberg

Springe: Fünfhausenstraße, Hinter der Burg 1, Zum Ebersberg

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare