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Karl-Heinz Friedrich über seine Zeit als Ortsbürgermeister

SPRINGE. Kritik gibt es alle Nase lang, Lob dagegen nur in Ausnahmefällen: Wirklich dankbar ist das politische Geschäft nicht, hat Kernstadt-Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich seit seiner Wahl vor gut zwei Jahren lernen müssen.

„Würden sich deutlich mehr Leute engagieren, statt zu lamentieren, wäre allen geholfen“: Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich hadert mit den zahlreichen „Meckerern“, die die Stadt bei Facebook schlecht machen. „Völlig unnötig“ hält der Christdemokr
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Der Politik-Neuling hadert vor allem mit den Diskussionen im sozialen Netzwerk „Facebook“, „wo sich leider viel zu viele Leute zu Wort melden, die keine Ahnung haben“. Es sei offenbar chic, die eigene Stadt schlechtzureden und auf der Verwaltung herumzuhacken.

Der Christdemokrat will seine Heimat- und Geburtsstadt nicht nur durch die rosarote Brille sehen. Auch seiner Meinung nach gibt es vieles, das besser laufen könnte. Würden sich aber deutlich mehr Springer engagieren, statt zu lamentieren, wäre allen geholfen, „und wir könnten mehr bewegen“.

Extrem unzufrieden ist Friedrich, dass aus dem Hoffnungsprojekt „Einkaufszentrum für die Innenstadt“ nichts wird. Der Ortsrat hatte sich im vergangenen Jahr klar für den Othmer-Bau ausgesprochen, für den das frühere Woolworth-Gebäude neben dem Alten Rathaus abgerissen und ein Rewe errichtet worden wäre. „Dass das in die Hose gegangen ist, kreide ich der Verwaltung an“, übt Friedrich in diesem Punkt selbst Kritik an der Führungsebene der Stadt.

Im Lauf der Diskussion habe das Bauamt den Investoren immer mehr Auflagen gemacht. „Da habe ich vermisst, dass der Bürgermeister mal mit der Faust auf den Tisch haut“, sagt Friedrich in Richtung von Verwaltungschef Christian Springfeld. Springe habe eine historische Chance verspielt, die Innenstadt zu beleben.

Wie langsam die Mühlen der Bürokratie mahlen, sei für einen Außenstehenden kaum nachvollziehbar. „Ich bin ein Mensch, der lieber alles sofort machen würde.“ Das gelte auch für Kleinigkeiten wie das fehlende Bus-Wartehäuschen am Einkaufszentrum Osttangente, für das sich der Ortsrat seit Monaten starkmacht. „Dafür muss es doch eine Lösung geben“, will Friedrich nicht hinnehmen, dass der Unterstand nicht aufgestellt werden kann, weil der vorhandene Platz ein paar Zentimeter zu schmal ist. Er schüttelt verständnislos den Kopf: „Wir wollen doch einfach nur etwas dafür tun, dass sich die Leute hier wohler fühlen.“

Mit der Fahrrad-Führung in der Kernstadt ist er ebenfalls unzufrieden. Die letzten Neuerungen hätten die Situation verschlimmbessert: „Darauf werde ich von vielen angesprochen.“ Für die nächsten Wochen hat er sich deshalb vorgenommen, sich in die gesetzlichen Vorgaben einzulesen und dann etwas anzuschieben.

Wenig Sympathien hegt der frühere Polizist für einen zweiten Kernstadt-Bahnhof: „Für das Geld, das für die bisherige Planung ausgegeben worden ist, hätten wir schon längst eine Rampe für den richtigen Bahnhof bauen können.“ Außerdem müsse der Süden der Kernstadt, zu dem das Neubaugebiet Großer Graben gehört, deutlich besser an den Busverkehr angebunden werden.

Ein ausdrückliches Lob spricht Friedrich seinen Mitstreitern aus dem Ortsrat aus: „Die Arbeit ist sehr angenehm. Wir machen keine Parteipolitik – anders als im Stadtrat.“ Die Möglichkeiten des kleinen Gremiums seien begrenzt, aber man bemühe sich sehr, einiges zu bewegen.

Im vergangenen Jahr kümmerte sich der Ortsrat um die Restaurierung des Taternpfahls und des Göbel-Denkmals an der Deisterpforte. Die ehrenamtlichen Politiker richteten das Osterfeuer und den Weihnachtsmarkt aus. Jetzt kommt ein Neujahrsempfang dazu.

Festhalten will Karlo Friedrich in jedem Fall an seinen Sprechstunden. Die Anregungen, die bei den Terminen kommen, seien viel wertvoller als Facebook-Nachrichten. „Drei bis vier Personen kommen immer. Manchmal fragen sie nur nach, ob ein Verkehrszeichen umgestellt werden kann, manchmal geht es um mehr.“ Die Fülle seiner ehrenamtlichen Arbeit ist nicht zu unterschätzen: Zwei Stunden seien es mindestens pro Tag, rechnet er vor. Die Kernstadt hat mehr als 13 000 Einwohner – dreimal so viele wie der zweigrößte Stadtteil.



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