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Kaiserallee in Springe: Der stille Tod der Kastanien

Noch stehen sie da, majestätisch, erhaben. Aber das Schicksal der Kastanien an der Kaiserallee ist ungewiss. Krankheiten und Schädlinge bedrohen das Leben der Bäume. Allein im vergangenen Jahr sind 25 Exemplare eingegangen. Aber die Experten im Forsthaus Saupark haben den Kampf gegen die Schädlinge aufgenommen.

Groß und ehrwürdig: Im vergangenen Jahr mussten an der Kaiserallee etliche Kastanien durch junge Pflanzen ersetzt werden. FOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Sie pflanzen tapfer neue Bäume an. Allerdings eine Art, die etwas widerstandsfähiger ist.

„Die Kaiserallee oder auch Kastanienallee ist ein Kulturgut, deshalb möchten wir sie erhalten und wir werden auf jeden Fall weiterhin Kastanien dort pflanzen“, sagt Claudia Wolff, Pressesprecherin der Landesforsten.

Bedroht werden die Bäume vom Bakterium Pseudomonas syringae und von der Kastanienminiermotte, zwei Schädlinge, die den Kastanien in Springe, aber auch in der gesamten Bundesrepublik mächtig zusetzen. So kommt auch die Naturschutzorganisation WWF zu der Einschätzung, dass die Rosskastanie „mit Pech aussterben könnte“. Und ein Pech ist schon jetzt die ungünstige Verkettung zweier Schädlinge: Während die Miniermotte den Baum nur schwächt, gibt das Bakterium ihm den Rest. Kommt dann noch ein heißer und trockener Sommer dazu, kommt es zum dramatischen Baumsterben – wie im Jahr 2018.

Im Kampf gegen den Tod der historischen Baumallee bei Springe setzen die Landesforsten auf Nachwuchs: Und zwar wieder auf die Rosskastanie. Noch stehen 430 weißblühende Kastanien dort. Tote Bäume werden allerdings durch eine neue Sorte ersetzt: statt weißblühender Rosskastanien werden rotblühende gepflanzt. Die sind eigentlich in Nordamerika heimisch. Sie sollen allerdings weitaus weniger anfällig für die Miniermotte sein als ihre weißblühenden Verwandten. 25 Kastanien sind mittlerweile rotblühend, Tendenz steigend.

Machtlos sind die Förster allerdings dann, wenn die Bakterien zuschlagen. Pseudomonas syringae wurde 2007 erstmals in Deutschland nachgewiesen. Das Problem: Auch die rotblühende Kastanie wird von den Mikroorganismen befallen. Und ein Heilmittel gibt es nicht. So geht es mit den kranken Pflanzen weiter: Zuerst wird die Rinde durch den Befall rissig; dunkler Ausfluss kommt aus den Stämmen, in den offenen Stellen siedeln sich schließlich Pilze an und die Kastanien sterben ab. Gegen den Pilzbefall könnte man zwar mit Fungiziden vorgehen, allerdings lehnen die Landesforsten das ab: „So etwas setzen wir in der Forstwirtschaft nicht ein“, stellt Wolff klar.

Einzig die rasche Entnahme ist erlaubt, also das Fällen der Bäume, damit Nachbarkastanien nicht angesteckt werden. Überhaupt: Weil die Kastanienallee eine öffentliche Straße ist, muss das Forstamt auch dafür sorgen, dass Spaziergänger nicht von umfallenden Bäumen erschlagen werden. „Deshalb entnehmen wir sie an der Allee auch aus Sicherheitsgründen.“ Heißt: In den nächsten Jahren werden wohl eine ganze Menge Bäume gefällt und anschließend viele junge Kastanien gepflanzt werden.

Die 2,5 Kilometer lange Kaiserallee hat eine lange Geschichte. Erste Kastanien wurden in dem Bereich im Jahr 1858 angepflanzt. Die Allee sollte eine repräsentative Verbindungsstrecke zwischen der kaiserlichen Bahnhaltestelle zwischen Springe, Völksen und dem Jagdschloss darstellen. Sie wurde als Zufahrt für Hofjagden genutzt. Für einen Teil der heute stehenden Kastanien wurden Baumpatenschaften abgeschlossen: Die Paten präsentieren sich auf einem repräsentativen Schild und haben einen Obolus für die Baumpflanzung bezahlt. Diese Form der Patenschaften wollen die Landesforsten für die neu angepflanzten Bäume, nach jetzigem Stand, nicht fortsetzen. Stattdessen finanziert das Forstamt die Bäume – gepflanzt werden keine ganz jungen Pflanzen, aber auch keine Riesen – aus eigener Tasche.



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