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Wie sich der Förderverein Lüdersen für den Ort einsetzt – und dabei seine Mitgliederzahl stark steigert

Kämpfen lernen von Hänsel und Gretel

Lüdersen. Alles begann mit ein bisschen Euphorie – und mit 1000 Mark. Das Preisgeld aus dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ nahmen ein paar Lüderser vor gut zwölf Jahren und steckten es in die Gründung eines Fördervereins. Dessen Mitgliederzahl ist allein in den vergangenen zwei Jahren von 34 auf 53 gestiegen. Eine Rate, von dem viele heimische Vereine nur träumen können. Ein Besuch in Lüdersen zeigt, wie es funktionieren kann.

Die neuen Mitglieder: Andreas und Janine Lövenich (v. r. ), Olaf von Witzleben (hinten), Frederik von Witzleben (vorne). Über si
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Carl-Hans Hauptmeyer ist Professor für Geschichte. Aber er ist seit vergangenem Jahr auch Vorsitzender des Fördervereins – und ein großer Märchenfreund. Denn wer mit Hauptmeyer über den Erfolg des Fördervereins spricht, der ist schnell bei seinem Hänsel- und Gretel-Prinzip angekommen. Der Bürger, glaubt Hauptmeyer, ist wie das berühmte Geschwisterpaar, das von seinen Eltern – in diesem Fall den Kommunen – hinausgeschickt wurde, um zu sagen: „Zuhause gibt es nichts mehr, seht mal zu, wo ihr etwas herbekommt.“ Dabei sind die Kommunen – wie die Eltern im Märchen – nur ein Opfer der Umstände, der vielen Aufgaben von Bund und Land: „Ich sehe das deshalb nicht als Vorwurf an die Stadt“, sagt Hauptmeyer. Trotzdem müsse man darauf reagieren – und wie Hänsel und Gretel das Heft selbst in die Hand nehmen.

Im Fall des Fördervereins heißt das: ein Zukunftswerkstatt gründen, eine Lesecafé eröffnen, einen Filmabend ins Leben rufen. Eine kleine Dorfbücherei unterstützen. Die Kirchturmspitze erneuern. Den alten Friedhof pflegen, pflastern, bepflanzen. Die Aktion „Gartenregion“ ins Springer Stadtgebiet holen. Infotafeln im Ort aufstellen, Postkarten drucken, Feste feiern – und immer wieder das Dorf säubern. Gut 62 000 Euro haben die Mitglieder seit Gründung des Vereins in ihr Dorf gesteckt.

Und es soll noch mehr werden: Unter anderem will sich der Verein um die Nachnutzung der alten Schule als Dorf-Treffpunkt kümmern – ohne dabei, wie Ortsbürgermeisterin und Vorstandsmitglied Ursel Postrach betont, der Dorfgaststätte Konkurrenz zu machen. Hauptmeyer strebt außerdem eine Kooperation mit dem Kunstkreis Laatzen an – so sollen etwa die Stromkästen als Farbtupfer im Ortsbild neu gestaltet werden. Auch die Teilnahme an der „Gartenregion“ strebt der Vorstand erneut an.

Neben Hauptmeyer stehen sie: Postrach, der Vize-Vorsitzende Harald Simonsen, Schriftführerin Ute Austermann-Haun – und der ganze Stolz des Vorstands: die Mitglieder mit den Nummern 49 bis 53. Das Ehepaar Janine und Andreas Lövenich, schon seit zwölf Jahren im Ort – und damit ähnlich lange wie der Förderverein – ist beigetreten, „weil es in unserem Interesse ist, dass es hier so weitergeht“, sagt Andreas Lövenich. Seine Frau nickt: „Die Dorfgemeinschaft rückt zusammen. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgenommen und wollen auch, dass es anderen Zugezogenen so geht“, sagt sie.

Neu in der Runde der Dorf-Engagierten sind auch Olaf von Witzleben, sein Sohn Frederik und dessen Großmutter Christel Wulkopf. Besonders über den neunjährigen Frederik freut sich Hauptmeyer, „unser jüngstes Mitglied“ betont er. Dass der Junge bei der Gestaltung des Dorfs nicht nur passiv sein will, zeigt seine Freude über die Stromkästen-Pläne: „Ein bisschen anstreichen!“, sagt er und strahlt.

Hauptmeyer hat noch ein zweites Prinzip in Sachen Zusammenhalt: „An einem Strang ziehen – aber in die gleiche Richtung.“ Dass man damit nicht jeden im Ort an Bord bekommt, ist ihm klar. Es gebe immer Menschen, die dann im Winter wieder ihren Schnee nicht richtig schippen. Aber davon lassen er und seine Mitstreiter sich nicht bremsen. Die Euphorie, sie ist auch nach zwölf Jahren noch da. Und am Ortsrand, in Richtung Linderte, da liegt sogar ein richtiges kleines Hexenhaus. Perfekt für die, die sich wie Hänsel und Gretel fühlen.



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