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Interview: Was der Kabarettist Piet Klocke an Springe mag

Viele kennen ihn als etwas verwirrten aber stets genialen Professor Schmitt-Hindemith, der nie einen Satz so ganz richtig zu Ende bringt. Um seine Bühnenfigur ist es in letzter Zeit eher ruhig geworden. Um Piet Klocke aber nicht. Am Mittwoch, 2. November, tritt er in Springe auf. Ralf T. Mischer hat mit ihm gesprochen.

Freut sich auf seinen Auftritt: Der Kabarettist und Autor Piet Klocke.Foto: Dewald
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Viele kennen ihn als etwas verwirrten aber stets genialen Professor Schmitt-Hindemith, der nie einen Satz so ganz richtig zu Ende bringt. Um seine Bühnenfigur ist es in letzter Zeit eher ruhig geworden. Um Piet Klocke aber nicht. Am Mittwoch, 2. November, tritt Klocke mit seinem Buch „Kühe grasen nicht, sie sprechen mit der Erde“ in Springe auf. NDZ-Redakteur Ralf T. Mischer hat mit dem Kabarettisten über seine spezielle Art des Humors gesprochen.

Herr Klocke, Sie stehen mit Ihrem Namen, wie kaum ein anderer, dafür, dass Sie Dinge auf den Punkt bringen. Nennen Sie mal bitte drei Schlagworte, die Ihnen einfallen, wenn Sie an Springe denken.

An wen?

An Springe.

Ach ja! Sport, schöne Landschaft und nette Menschen. Das kann ich sagen, denn ich war ja schon einmal hier.

Während eines Auftrittes?

Ja, ganz genau. Damals habe ich aus meinem Buch „Kann ich mal eine Sache zu Ende“ gelesen.

Sie lesen viel, oder? Eine Zeit lang hatten sie dafür ja weniger Zeit: Sie waren lange gleichsam dauerpräsent auf allen Fernsehkanälen: RTL Samstag Nacht, Sieben Tage, sieben Köpfe, Neues aus der Anstalt, um nur einige Sendungen zu nennen. Seit einigen Jahren sind sie TV-Abstinent. Sind sie des Mediums überdrüssig?

Nein, ich habe das lange, wie sie richtig sagen, praktiziert und pausiere jetzt seit einiger Zeit. Ich weiß aber auch gar nicht, ob ich noch mal dahin zurück möchte. Mir macht es auf der Bühne, im direkten Kontakt mit Menschen, sehr viel Spaß. Und dann habe ich ja auch das Schreiben entdeckt und es ist eben so, dass man dann aus der Szenerie so ein bisschen raus ist.

Bedauern Sie das?

Das ist einfach eine andere Facette. Wenn ich jetzt unbedingt den Wunsch hätte, da wieder was zu machen, werde ich mich da schon melden. Für die Leute ist es ja nett. Da gibt es ja so viele Angebote, sich in der Form zu zerstreuen, ich tue das auch, Fernsehschauen finde ich ganz gut.

Sie sind ja für ihre spezielle Art des Humors bekannt. Haben sie das trainiert – oder schütteln sie das einfach so aus dem Handgelenk?

Die Frage ist sehr schwierig. Im Grunde genommen, wenn ich da jetzt mal drüber nachdenke, ist es so, dass ich die Missverständlichkeit der Sprache, die ich ja sehr liebe, sonst würde ich mich da nicht so hochsensibel mit beschäftigen, ein bisschen mir vor Augen führe. Und damit arbeite ich. Das ist eigentlich neben einem normalen Hang zum Humor, mein Rezept. Und Humor gilt ja als Lebenselixier, das den ganzen Unbill des Lebens verscheucht. Mich interessiert eben, wie die sprachlichen Zusammenhänge funktionieren, wie die Assoziationen und Konstruktionen sind. Und damit arbeite ich, ganz einfach gesagt.

Wissen Sie eigentlich, dass Sie auf Wikipedia als Paradebeispiel für die rhetorische Figur „Anakoluth“, also das Abbrechen eines zuvor begonnen Satzes, genannt werden?

Aha, das habe ich noch gar nicht... Auf Wikipedia gehe ich nicht, weil da über mich alles nur falsch steht. Nein, den Begriff habe ich ja nicht aufgebracht, den hat irgendein, ich glaube Sprachforscher... Das kann möglich sein, dass ich da in irgendeiner Form, aber da kenne ich noch andere Leute die das gemacht haben: Werner Finck, die also mit der Sprache, doch in humoresker Weise, umgegangen sind.

Mit der Verkörperung des Professor Schmitt-Hindemith sind sie einem Millionenpublikum bekannt geworden. Können Sie den Charakter eigentlich noch leiden?

Den kann ich sehr gut leiden, weil ich den sehr liebenswert finde in seiner leichten Schusseligkeit und in seinem Glauben, dass man die Dinge erklären könne, wenn man sie nur benenne. Ich habe die Figur sehr gern.

Was erwartet die Zuschauer in Springe?

Eigentlich eine Lesung, ich habe kein neues Programm mit Saxofon oder so. Es ist einfach eine Präsentation dieses jüngsten Buches, was nicht ganz einfach ist. Denn im Grunde benutzte ich die Mittel meiner Art, die man auch so kennt, also die Sprache. Und ich habe versucht, damit einem französischen Comiczeichner gerecht zu werden, der so ähnlich agiert, nur auf dem Metier der Zeichnung. Ich habe im Buch versucht, ohne roten Faden zu assoziieren.

Also der Professor hoch zwei?

Ich würde sagen, es ist der Professor allein. Wenn er nicht vor Menschen spricht, dann geht er doch so in dieser vergeistigten Stimmung auf, dass andere dann schon mal Schwierigkeiten haben, da mitzukommen. Im Grunde genommen sind viele Stellen aus dem Buch doch so, dass man es allein bewältigen sollte – wenn man Lust hat. Es ist ein Buch zum Schmökern und das ist ja heute ein bisschen aus der Mode gekommen, weil man eben so richtig gar keine Zeit mehr dazu hat. Aber die kann man sich nehmen.

Das Buch werden sie ganz klassisch, als Wasserglas-Lesung, vortragen?

Also es wird sicherlich in der klassischen Form sein – zunächst: mit kleinen Tischchen und einem Wasserglas. Dennoch steige ich sehr häufig aus den Texten aus und erzähle einfach irgendwas Spontanes. Ich kann mir vorstellen, wenn ich dieses Buch in dieser klassischen Wasserglas-Art vortrüge, würde nach zehn Minuten niemand mehr mit mir im Raum sein. Deshalb gibt es sowohl gelesene als auch performte Anteile

Es darf also gelacht aber auch gegrübelt werden?

Ja, das ist wie im Leben, ne? Mal kommt ne Mieterhöhung und mal kriegt man eine Rückzahlung vom Steueramt.

Worauf können sich Ihre Fans demnächst freuen?

Ich will natürlich ein neues Abendprogramm für die Bühne machen, mit meiner Saxofonistin. So wie man das auch aus dem Fernsehen damals kannte. Da gibt es nur die Schwierigkeit, dass es schon sehr verführerisch ist, wenn man sich einmal auf das Schreiben eingelassen hat. Dann denkt man nämlich in eigenen Dimensionen. Und wenn man so ein Programm macht, muss man sich schon ein wenig in eine extrovertierte Verfassung hineinsteigern. Das ist nicht ganz einfach für mich, weil ich jetzt schon zwei Bücher hintereinander gemacht und großes Vergnügen daran gefunden habe. Aber das Programm kommt auf jeden Fall.

Karten: Der Schauspieler und Kabarettist ist am Mittwoch, 2. November, zu Gast bei der Springer Kleinkunstbühne. Er tritt um 20 Uhr im Ratskeller auf (Einlass: 19 Uhr). Karten für die Veranstaltung gibt es bei der Neuen Deister-Zeitung unter 05041/78910 und in der Geschäftsstelle der NDZ, Bahnhofstraße 18, in Springe. Die Karten kosten inklusive Vorverkaufsgebühr 33 Euro, im Preis mit inbegriffen sind auch Bier, Wein und Softdrinks bis zum Ende der Vorstellung.



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