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Interview mit Luther-Nachfahre Christian Priesmeier

ALTENHAGEN I. Alle redeten im Lutherjahr über Luther – und Christian Priesmeier war während dieser Zeit ein besonders beliebter Gesprächspartner, denn er ist selbst Luther, zumindest ein bisschen. Der Hamelner ist ein Nachfahre des Kirchenreformators und ist am Sonnabend zu Gast in Altenhagen I.

Christian Priesmeier ist Vorsitzender des Familienvereins der Lutheriden, dessen Mitglieder alle nachweislich mit Martin Luther verwandt sind. FOTO: PRIESMEIER
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Wie lebt es sich als Luthers Nachfahre?

Wie jeder normale andere Mensch auch, ich sehe das nicht als etwas Besonderes an.

Wie haben sie eigentlich von der Verwandtschaft erfahren?

Das war eigentlich schon immer ein Familienthema. Und die Mutter meines Vaters hatte mir das immer aufs Brot geschmiert, sie war schon ein wenig stolz darauf.

Wie verwandt sind Sie denn nun eigentlich mit Martin Luther?

Tatsächlich war er mein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater. Wir Luther-Nachfahren sprechen aber eher davon, dass er unser Ahnherr war. Und nicht von unserem gemeinsamen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater.

Dass sie mit Luther über etliche Ecken verwandt sind, beeinflusst dieses Wissen ihr Leben?

Nicht direkt. Man ist sich dessen bewusst, dass da jemand aus der Familie etwas Großes getan hat. Aber ich habe dennoch meine eigene Lebensphilosophie. Inwieweit die durch Luhter und sein Wirken beeinflusst ist, kann ich natürlich nicht sagen. Ich bin zwar stolz auf das, was er gemacht hat, aber ich sehe Luther auch kritisch in einigen Punkten.

Welche sind das?

Etwa seine späten Schriften über das Judentum. Diese antisemitischen Schriften haben ihm nicht gutgetan. Auch den Starrsinn, mit dem er auf seinen Prinzipien beharrte, sehe ich kritisch.

Stichwort Lutheriden – was ist das eigentlich?

Das ist ein Familienverband, der 1926 auf der Wartburg gegründet wurde. Er ist ein Zusammenschluss direkter Nachfahren. Die Mitgliedschaft muss man selbst aktiv beantragen, daraufhin prüft ein Genealoge den Verwandtschaftsgrad. Aufgenommen wird nur, wer direkt mit Luther verwandt ist – oder seit den 1970er auch Seitenlinien, das heißt, wer von den Geschwistern Martin Luthers abstammt.

Ist es denkbar, dass es Luther-Nachfahren gibt, die davon gar nichts wissen?

Ja, es gibt noch Leute, die das gar nicht wissen. Manche stoßen per Zufall darauf und die lassen das dann prüfen. Die meisten Luther-Nachfahren heißen übrigens heute nicht mehr Luther – bis auf einige Ausnahmen. Wer heute Luther heißt, stammt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht von Martin Luther ab.

In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass sie Geist und Sinn Martin Luther erhalten möchten. Was ist damit gemeint?

Für Martin Luther bestand das Leben immer aus Kirche und Glauben. In dem Bereich hatte er den Mut gefasst, Dinge anzupacken und zu ändern, auch gegen Widerstand. Das ist vielleicht der Geist Martin Luthers, diesen Mut aufzubringen.

Wie kam der Kontakt mit der Gemeinde in Altenhagen zustande?

Ich denke, es kam über ein Interview mit mir zustande, das Pastor Eckhard Lukow gelesen hatte. Daraufhin hat er mit mir Kontakt aufgenommen und gefragt, ob ich in die Gemeinde kommen möchte.

Information

Christian Priesmeier ist am Sonnabend, 2. Juni, zu Gast beim Männerfrühstück der St.-Vincenz-Gemeinde. Das Thema der Veranstaltung lautet „Martin Luther, Katharina von Bora und ihre Familie heute“. Beginn ist um 9 Uhr im Dorf-Kultur-Erbe in Altenhagen I, Spiegelberger Straße 1.

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