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Springerin für Bundespreis Ecodesign nominiert

Innovation mit Kuschelfaktor

Springe. Eine Visionärin war Ute Ketelhake schon früh. Sie wollte die Welt ein bisschen verändern, das Wegwerfen verhindern, schöne Dinge fair herstellen. Und wurde dafür belächelt. Das war 1985, direkt nach dem Studium. Heute hat die Springerin einen Weg gefunden, ihre Ideen zu verwirklichen. Das Konzept schlägt ein, so gut, dass ihre Ein-Frau-Firma jetzt für den Bundespreis Ecodesign nominiert wurde – und dort gegen die Branchenriesen antritt.

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Autor:

Markus Richter

Vor eineinhalb Jahren gründete die diplomierte Textildesignerin „Second Life Rugs“. So wie ihr Unternehmen nennt sie auch ihre handgeknüpften Hochflorteppiche aus Lana Cotta. Drei Prototypen hat die 51-Jährige gerade hergestellt, jeder erforderte zwischen 100 und 200 Stunden Handarbeit – und zwar an großen Hochwebstühlen. Der eine, aus den 1920er-Jahren, stammt noch von ihrer Mutter. Schon als Kind erlag Ute Ketelhake der Faszination der traditionellen Handarbeit. „Der Kreis schließt sich.“ Durch die Arbeit in verschiedenen Unternehmen, etwa als Kollektionsberaterin für Heimtextilien in Indonesien, lernte die Springerin die Wege der Produktion kennen, verinnerlichte sie. Und stellte fest: Zu viel wird vergleichsweise sinnlos entsorgt. Schnittreste hochwertiger Schafswolle kommen als Dämmstoff zum Einsatz – etwa in Flugzeugtoiletten.

Ketelhake feilte an ihrem eigenen Konzept, orderte Wolle aus kontrollierter biologischer Tierhaltung und stellte daraus das erste Teppich-Unikat her, ganz ohne Pestizid-Belastung oder den Verdacht von Kinderarbeit. Der Teppich ist dicht gewebt, robust, unempfindlich und natürlich. In Zukunft soll die Produktion zusammen mit Einrichtungen für Benachteiligte über die Bühne gehen. Auch einen Kontakt zur Jugendanstalt in Hameln besteht. „Die Herstellungsweise soll schließlich sozialverträglich sein.“

„Upcycling“ heißt das Zauberwort, die Aufwertung eines Produkts. Und damit bewarb sich die Textildesignerin für den vom Bundesumweltministerium geförderten Wettbewerb. Beim Ecodesign wird der gesamte Lebenszyklus eines Produktes berücksichtigt – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion, Distribution und Nutzung bis hin zur Verwertung oder Entsorgung. Und das Konzept der Springerin überzeugte die Jury – Ketelhakes Teppich zählt zu den insgesamt 31 nominierten Projekten. „Ich war total überrascht“, gesteht sie. Mit ihrer Tochter reiste sie zum Berliner Flughafen Tempelhof und machte „große Augen“. Innovative Produkte gab es in der gesamten Halle – die Konkurrenz hat durchaus einen Namen: Lithium-Ionen-Hubwagen von Jungheinrich, ressourcenschonende Kühlschränke von Liebherr, Aluminium-Züge von Siemens. Vergeben wird der Preis am 11. November im Berlin.

Ketelhakes Teppiche sind hautnah ab 23. November bei der bekannten Weihnachtsschau der „Handwerksform Hannover“ zu sehen.

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