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In Spielhalle mit Brotmesser gedroht: Eldagser verurteilt

ELDAGSEN. Bewaffnet mit einem Brotmesser, hat ein damals 19-jähriger Eldagser eine Spielhalle in der Langen Straße überfallen und 1700 Euro erbeutet. Jetzt verurteilte ihn das Jugendschöffengericht am Amtsgericht wegen besonders schweren Raubs zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

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Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Die Strafe kann zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss der junge Mann ein dreimonatiges Anti-Aggressionstraining absolvieren sowie 150 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Er könne sich an die Tat kaum erinnern, berichtete der Angeklagte. „Es ist wie ein Blackout“, sagte er vor Gericht. Vor dem Vorfall hatte er auf einer Bank nahe dem Eldagser Freibad eine dreiviertel Flasche Whisky getrunken, weil er seine Arbeitsstelle verloren und Stress mit seiner Freundin hatte. „Ich wollte nur vergessen“, sagte er. Irgendwann sei er dann nach Hause gegangen und habe – quasi als Kurzschlussreaktion – das Messer aus der Küchenschublade genommen. Dann sei er zur Spielhalle gegangen. „Ich weiß nur noch, dass ich mir die Kapuze über den Kopf gezogen habe und reingegangen bin.“

Umso deutlicher allerdings erinnert sich die Angestellte, die an jenem Abend die Spielhalle beaufsichtigte. Unter Tränen sagte die 37-Jährige aus, was sich am 20. Februar gegen 23 Uhr ereignet hat: Sie habe den Täter, den sie von seinen regelmäßigen Besuchen in der Spielothek gut kenne, begrüßt und gefragt, ob er Geld wechseln wolle. „Da zog er schon das Messer“, berichtete sie. Danach habe er in die Kasse gegriffen und sei mit den erbeuteten rund 1700 Euro aus dem Gebäude geflüchtet.

Es gehe ihr heute immer noch schlecht, erklärte die Frau auf Nachfrage der Jugendrichterin. Direkt nach der Tat war sie für sechs Wochen krankgeschrieben worden. Heute arbeite sie wieder in der Spielhalle, weil sie keine andere Stelle finde. Zum Angeklagten sagte sie: „Es wurde durch diese Tat viel kaputt gemacht“. Eine Entschuldigung des jungen Mannes akzeptierte sie nicht. Vielmehr erklärte sie: „Wenn ich ihn sehe, kriege ich das Kotzen“.

Nach dem Überfall war gegen den jungen Eldagser ein Haftbefehl erlassen worden. Zwei Wochen hatte er in der Justizvollzugsanstalt Hameln in Untersuchungshaft gesessen. „Ich wünschte, ich hätte die Tat nicht begangen“, sagte der junge Mann jetzt.

Auf die Frage der Jugendrichterin, was er denn mit dem erbeuteten Geld gemacht habe, erklärte der Angeklagte, damit seinen Lebensunterhalt bestritten zu haben. Er wohne mit mehreren Geschwistern bei seiner alleinerziehenden Mutter. Seine Verteidigerin war sich indes sicher, dass ihr Mandant nicht des Geldes wegen den Überfall begangen habe. „Er wollte die Aufmerksamkeit und Zuwendung seiner Mutter“, sagte sie.

Nun bekommt der Eldagser einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Zwei Jahre lang darf er sich zudem nichts zu Schulden kommen lassen, um seine Bewährung nicht zu gefährden. Der Erlös, den er aus den 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verrichtet, fließt an einen Opferfond des Vereins Waage. Der Verein wiederum leitet das Geld an die Aufsicht der Eldagser Spielhalle weiter, um ihr zumindest eine finanzielle Entschädigung zu gewährleisten.

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