weather-image
Der erste Integrationslotse: Hans Dangers kümmert sich seit Oktober um eine Familie aus Syrien

In Freundschaft verbunden

Springe. 160 Flüchtlinge, vorwiegend aus Syrien, leben derzeit in der Stadt. 129 weitere kommen laut Prognose im Laufe des Jahres dazu. Sie fliehen vor dem Krieg in ihrer Heimat, sprechen kein deutsch, sie kennen sich nicht aus – weder mit der Kultur, noch mit der Verwaltung – und sie bräuchten Menschen, die ihnen dabei helfen, sich zurechtzufinden. Aber die sind derzeit noch rar gesät.

270_008_7677182_dangers1.jpg

„Es haben sich zwar viele Integrationslotsen gemeldet – aber ihnen fehlt bisher die Kompetenz“, sagt die städtische Sozialarbeiterin Ursula Trommer-Kassir. „Wir arbeiten daran, einen Kurs für Integrationslotsen anzubieten“, berichtet sie. Er soll den Helfern vor allen Dingen Hinweise beim Umgang mit den Behörden vermitteln. Genau dabei können sie die Flüchtlinge nämlich unterstützen: Behördengänge, Schriftverkehr mit offiziellen Stellen oder Einkäufe sind für sie teilweise große Hürden. Der Kurs wird von der Volkshochschule (VHS) vorbereitet.

„Besonders fatal ist es, wenn ein Brief, etwa Post zum Asylantrag, nicht rechtzeitig beantwortet wird“, erläutert Trommer-Kassir. Das könne dann bedeuten, dass der Antrag aus Formgründen abgelehnt wird. Eine Abschiebung ins Kriegsgebiet droht. Der Kurs wird zu großen Teilen von der Region finanziert.

Hans Dangers (62) hilft auch ohne Kurs. „Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen“, sagt der Pensionär, der sich seit Oktober um eine Familie aus Syrien kümmert – und mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr aufgebaut hat. „Ich werde von ihnen immer reichlich bewirtet – und habe schon zwei Kilo zugenommen“, scherzt er.

Ali Alahmad hält mit seiner Meinung über Dangers Engagement nicht lange hinterm Berg: „Einen Menschen wie Hans gibt es nicht noch einmal“, sagt er. Dangers lächelt verlegen.

Alahmad und seine Familie sind über das Mittelmeer aus Syrien nach Europa geflohen, landeten schließlich in Springe. Seit Oktober trifft sich Dangers regelmäßig mit ihnen. Man kennt sich, man schätzt sich. Die Stadt hat den Alahmads Wohnungen in Eldagsen und Springe vermittelt. Der Integrationslotse begleitet sie zu Behörden, Banken und beim Einkaufen, gibt ihnen seit einigen Monaten auch Deutsch-Unterricht. „Ich bin kein Lehrer – und am Anfang haben sie mich gar nicht verstanden“, räumt der engagierte Mann ein – mittlerweile könnten sie schon die wichtigsten Dinge sagen.

Als die Dangers die Syrer zum Kaffee und Kuchen zu sich nach Hause einladen, fehlt einer: Mohammed hat den falschen Bus erwischt und ist statt in Springe in Pattensen gelandet. Hans Dangers zögert nicht lange, setzt sich ins Auto und holt den jungen Mann ab.

Auf derlei Hilfe müssen die meisten Flüchtlinge in Springe derzeit noch verzichten.rtm



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt