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Städtische Mitarbeiter rücken ein- bis zweimal pro Woche aus, weil das Wohl von Kindern gefährdet ist

Immer öfter schrillen im Amt die Alarmglocken

Springe (ric). Wenn Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden, wenn die Eltern nicht für sie sorgen können oder wollen – immer dann muss das Jugendamt eingreifen. In Springe rücken die städtischen Mitarbeiter in jüngster Zeit immer häufiger aus. „Das passiert ein- bis zweimal pro Woche, immer dann, wenn das Kindeswohl gefährdet ist“, berichtet Amtsleiterin Dagmar Wiese-Cordes im NDZ-Gespräch.


Spätestens seit den tragischen Fällen des kleinen Kevin, der in Bremen von seinem Vater auf grausame Art getötet wurde, oder dem qualvollen Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie aus Schwerin stehen die Jugendämter in ganz Deutschland im öffentlichen Fokus – weil der Tod der Kinder bei rechtzeitigem Eingreifen wohl hätte vermieden werden können.

Doch nicht nur das Amt, sondern auch die Bürger seien durch zahlreiche Medienberichte sensibilisiert, sagt Wiese-Cordes. „Manchmal wollen die Anrufer auch nur ihre Nachbarn anschwärzen.“

Schlechtes Image

Bei der Inobhutnahme von Kindern ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Wir suchen nach Möglichkeiten, das im Sinne der Betroffenen zu vermeiden“, sagt die Jugendamtsleiterin. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass Minderjährige vorübergehend in Pflegefamilien oder Heimen untergebracht werden, weil sie zuhause vernachlässigt werden – oder vielleicht kriminell geworden sind. „Manchmal“, sagt Wiese-Cordes, „wenden sich ältere Jugendliche auch von sich aus an uns.“ Trotz aller Bemühungen hat das Jugendamt ein Problem: ein negatives Bild in der Bevölkerung. „Viele denken, wir nehmen Kinder weg – in diesem Punkt müssen wir Transparenz schaffen.“

Springe ist eine von fünf Kommunen in der Region Hannover, die an einem Modellprojekt des Landes für die Schaffung von Netzwerken im Jugendschutz beteiligt sind. „Ein Ziel ist, niedergelassene Mediziner zu sensibilisieren“, sagt Koordinatorin Claudia Weigel. Oft seien es die Ärzte, die Anzeichen von seelischer oder körperlicher Misshandlung feststellen – aber nicht wüssten, wie sie richtig reagieren sollen. Im September soll es eine entsprechende Info-Veranstaltung in Springe geben, kündigt Weigel an.



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