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Immer mehr Springer bewaffnen sich

SPRINGE. Springe rüstet auf: Die Zahl der Deisterstädter, die einen kleinen Waffenschein besitzen, hat sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Einen sprunghaften Anstieg gab es nach der Silvesternacht in Köln (2015/2016), im vorigen Jahr folgte eine zweite Antragswelle.

Ist die Waffe echt oder handelt es sich um eine Attrappe? Auf den ersten Blick kann das selbst ein Fachmann nur schwer erkennen, sagt Udo Helms, der sich bei der Stadt Springe ums Waffenrecht und die allgemeine Gefahrenabwehr kümmert. Er versucht, de
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Udo Helms, der sich bei der Stadt ums Waffenrecht kümmert, macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Entwicklung Sorgen bereitet: „Aus meiner Sicht ist es ein Sicherheitsproblem, wenn immer mehr Leute eine Waffe tragen.“ Jemand, der sich bedroht fühlt und eine Pistole hervorziehe, erreiche kaum, dass sich seine Mitmenschen sicherer fühlen: „Das Gegenteil ist der Fall. Die Situation wird gefährlicher für alle.“ Anders ausgedrückt: „Je mehr Waffen hier im Umlauf sind, desto schwieriger wird es – vor allem für die Polizei.“ Private Waffen würden keine Probleme lösen, beweise ein Blick in die USA.

Der kleine Waffenschein berechtigt dazu, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt zu führen. Benutzt werden dürfen sie nur im Notfall. Der Besitzer muss volljährig, zurechnungsfähig und zuverlässig sein.

Nicht zu verwechseln ist der kleine Waffenschein mit der Waffenbesitzkarte: Die erhalten nur Jäger und Sportschützen. Knapp 600 gibt es davon in Springe. Alle müssen ihre Eignung regelmäßig nachweisen. Die richtige Waffenbesitzkarte, mit der man scharfe Waffen sichtbar tragen darf, erhalten nur Personenobjektschützer. „Das ist ein handverlesener, sehr, sehr kleiner Kreis“, betont Helms.

Die Zahl der Kleine-Waffenschein-Besitzer im Stadtgebiet liegt seit dem vergangenen Jahr im dreistelligen Bereich. Genaue Angaben möchte Helms nicht machen, „um nicht zu verunsichern“. Er mache es den Personen, die mit ihrem Waffen-Wunsch zum Ordnungsamt kommen, nicht einfach, sagt der Mann, der zwölf Jahre Soldat war: „Ich kläre jeden Antragsteller umfangreich auf.“

Mindestens 15 Minuten lang muss sich der Interessent anhören, was er mit der Waffe tun darf und was nicht. Er wird gewarnt, dass viele Gas- und Schreckschusswaffen aussehen wie die Originale – selbst Helms kann sie auf den ersten Blick nicht unterscheiden. Und sie hören auch, dass auch die „Unechten“ teilweise mit Gas, Pfeffer oder einer Knallpatrone feuern können und deshalb keinesfalls ungefährlich sind. Außerdem fragt der Verwaltungsmitarbeiter, warum sein Gegenüber aufrüsten möchte. Das intensive Gespräch mit den Interessenten sei in vielen anderen Städten nicht üblich, so Helms. Er sei aber überzeugt, dass das Herausgeben eines Merkblattes zu wenig ist.  

Mindestens jeder dritte Antragsteller sehe im Aufklärungsgespräch ein, dass er gut ohne kleine Waffe weiterleben könne, bilanziert Helms. Seine „Neu-Kunden“ seien zwischen 18 und 90 Jahre alt und in der großen Mehrzahl Deutsche. Bei zwei von drei Waffenfreunden handelt es sich um Männer – auch wenn sich Frauen eigentlich schutzbedürftiger fühlen müssten.

Für jeden Waffenbesitzer wird eine Akte angelegt. Das Ausstellen des kleinen Waffenscheins kostet rund 50 Euro. Mindestens alle drei Jahre fallen weitere Gebühren an, zwischen 26 und 511 Euro.

Wer sich unsicher fühlt, dem empfiehlt Helms Pfefferspray oder einen Selbstverteidigungskurs: „Das ist effektiver.“ Er selbst lebe ohne Waffe oder Spray sehr gut: „Wer sich die Zahl der Übergriffe, zu denen es hier kommt, mal genauer anschaut, der stellt fest: Wir können uns zu Recht sehr sicher fühlen.“



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