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Imker aus Springe starten Forschungsprojekt

SPRINGE. Gibt es im Deister noch wilde Honigbienen? Wenn ja: Wo? Und wie schaffen sie es, sich gegen Parasiten wie die Varroa-Milbe durchzusetzen, die den Imkern das Leben schwer machen? Drei Springer wollen Antworten auf Fragen finden, die sich in den vergangenen Jahrzehnten offenbar niemand gestellt hat.

Imker mit Experimentierfreude: Rudolf Rantzau, Katrin Jahn-Rantzau und Karen Lau (rechts) vor einer Klotzbeute. Die Bienenbehausung in einem ausgehöhlten Baumstamm war in früheren Jahrhunderten üblich, mittlerweile gibt es sie fast nur noch im asiati
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Dabei geht es um deutlich mehr als nur den Deister: Das Leben der wilden Honigbiene in ganz Mitteleuropa sei „weitgehend unerforscht“, sagt Initiator Rudolf Rantzau.

„Vor zehn Jahren hätten wir das Projekt gar nicht machen können“, ist Bienenpädagogin Karen Lau überzeugt. „Das hätte damals einen großen Aufschrei ausgelöst.“ Denn das, was sie vorhaben, widerspricht den Grundprinzipien der Imkerei. So wollen die drei Springer ab dem Frühjahr gezielt Bienen auswildern, um mehr über das Verhalten der wilden Exemplare zu erfahren. Und diese „Auswanderer“ können dann auch nicht mehr gegen Varroa behandelt werden –  eigentlich undenkbar, da der Parasit ausgerottet werden soll. Rudolf Rantzau, seine Frau Katrin Jahn-Rantzau und Karen Lau denken dennoch, dass es der richtige Weg ist.

Die Honigbiene stammt ursprünglich aus dem Wald. Es muss sie schon vor 50 Millionen Jahren gegeben haben. Zum Vergleich: Die Frühmenschen der Gattung „Homo“ entwickelten sich erst vor rund 2,8 Millionen Jahren. Die wilden Honigbienen nutzen stets Baumhöhlen – zum Beispiel die, die Schwarzspechte hacken – und leben in Symbiose mit der Waldameise. Gut möglich, dass die Höhlen durch das antibiotische Bienenharz so konserviert wurden, dass sie später auch für andere Waldbewohner ein Segen waren. Sollte es also keine wilden Honigbienen mehr geben, wäre dem Ökosystem Wald ein einzigartiges Insekt verloren gegangen.

 Die drei Springer vermuten: Die heutige Haltung der Honigbiene in großen Kästen und mit dem Ziel, ihren natürlichen Vermehrungstrieb zu hemmen, tut dem Wesen vielleicht gar nicht gut. Vielleicht ist das Insekt so anfällig für
Krankheiten und Varroa geworden, weil ihr die Vitalität genommen wurde.

Dem Ehepaar Rantzau und Karen Lau ist wichtig, dass sie keinen Alleingang unternehmen. Sie möchten alle heimischen Imkervereine ins Boot holen (Jahn-Rantzau: „Die müssen wissen, dass wir verantwortungsbewusst sind.“). Sie stehen mit Springes Stadtförster Bernd Gallas und dem Honigbienen-Ökologen Benjamin Rutschmann von der Uni Würzburg in Kontakt. Mit der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung haben sie außerdem einen namhaften Sponsor für sich begeistern können. Die Stiftung unterstützt das Projekt mit 7300 Euro. Die ersten Reaktionen, die das Trio erhalten hat, waren erstaunlich positiv. Es gebe ein neues Nachdenken unter den Imkern, freuen sich Lau, die seit 25 Jahren imkert, und Rantzaus. In den Diskussionen sei ihnen klar geworden, wie wundersam es eigentlich ist, „dass alle glauben, die Biene könnte nicht ohne den Menschen überleben“. Immerhin habe das robuste Insekt genau das über zig Millionen von Jahren eindrucksvoll getan.

Information

Um ihre Arbeit auf feste Füße zu stellen, haben Rudolf Rantzau, Karen Lau und Katrin Jahn-Rantzau den neuen Verein „Waldbiene“ gegründet. Rantzau war bis vor einem Jahr Referatsleiter im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Er hat bereits versucht, in einer Klotzbeute zu imkern – einem ausgehöhlten Baumstamm. Sowohl Lau als auch Jahn-Rantzau sind ebenfalls Imkerinnen – aber auch Bienenpädagoginnen. Sie haben bereits etliche Umwelt-Bildungsangebote mit Kindern und Erwachsenen gestaltet.

Das Projekt startet offiziell am Wochenende 22. bis 24. Februar. In Kooperation mit dem Springer Forstamt und dem Landheim Tellkampfschule bietet der Verein dann einen Workshop an. Dabei sollen Baumhöhlen in lebende Altbäume geschlagen werden – rechtzeitig vor dem Frühjahr, damit dann Honigbienen auf sie fliegen.

Der Honigbienen-Ökologe Benjamin Rutschmann von der Uni Würzburg hält am Sonnabend, 23. Februar, im Museum einen Vortrag über wild lebende Honigbienen und wie es gelingen kann, sie aufzuspüren. Das Fachwort heißt „Beelining“: Mit viel Ausdauer soll zwischen April und Oktober erforscht werden, ob es im Deister eine Population gibt. Rutschmann spricht ab 19 Uhr im Museum, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.mari



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