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Gesamtschule ohne eigene Oberstufe: SPD und Grüne setzen auf Zusammenarbeit mit dem OHG

IGS soll mehrheitsfähig werden

Springe. Nur acht Wochen nach dem Regierungswechsel sollen nächste Woche im Landtag die Weichen für die Errichtung neuer Integrierter Gesamtschulen (IGS) gestellt werden. Auch in Springe scharren SPD und Grüne bereits mit den Hufen. Nach dem gescheiterten Versuch vor ziemlich genau zwei Jahren wollen sie so schnell wie möglich einen neuen Anlauf nehmen. Mit einem – allerdings gravierenden – Unterschied zu damals: die Springer IGS soll nun ohne eigene Oberstufe an den Start gehen.

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Autor:

Marc Fügmann

Das ist eine faustdicke Überraschung, schließlich hatten beide Parteien in der Vergangenheit stets darauf gepocht, den Gesamtschulbesuch bis hin zum Abitur zu ermöglichen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Im Gegenteil: Angesichts rückläufiger Schülerzahlen mache eine weitere Oberstufe neben den drei jetzt schon vorhandenen – eine am Otto-Hahn-Gymnasium, zwei an den BBS-Fachoberschulen Wirtschaft und Gesundheit – keinen Sinn, sagt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Dr. Eberhard Brezski. Grünen-Parteichef Dr. Matthias Gleitze wird da noch deutlicher: „Eine vierte Oberstufe wäre für Springe völlig unrealistisch.“

Stattdessen sollen die IGS-Schüler nach der zehnten Klasse auf das OHG wechseln können, um das Abi zu machen. Gleitze und Brezski setzen nach eigenen Worten auf eine „echte und enge Zusammenarbeit“ mit dem Gymnasium – bis hin zu einem regelmäßigen Lehreraustausch. „Ich bin mir sicher, dass damit alle gut leben könnten“, betont Brezski.

Am Ende gehe es darum, die Akzeptanz einer IGS zu erhöhen und dem Gymnasium die Ängste vor einer Konkurrenz zu nehmen. Anders als bei der zurückliegenden Debatte müsse diesmal eine Spaltung der Bevölkerung verhindert werden, mahnt Gleitze.

Dass der Verzicht auf eine eigene Oberstufe überzeugten IGS-Verfechtern als nicht hinnehmbare Verwässerung dieser Schulform gilt, ficht ihn nicht an. „Ich sehe das sehr pragmatisch“, sagt Gleitze und verweist auf seine eigenen Erfahrungen als Lehrer. Vor seiner Zeit als Berufsschuldirektor habe er sehr erfolgreich sieben Jahre an einer KGS ohne eigene Oberstufe gearbeitet. Und auch in Hannover gebe es Gesamtschulen, die gut mit Gymnasien kooperierten, wie etwa die IGS im Stadtteil List. „Die blüht und gedeiht auch so.“

Von einer IGS würden in Springe viele profitieren, werben beide Parteichefs: Eltern, die ihre Kinder nicht länger außerhalb der Stadtgrenzen anmelden müssten, wenn sie für sie eine Gesamtschule wollten. Die Stadt, deren Haushalt um rund 400 000 Euro jährlich entlastet würde, weil die bisher sehr hohen Gastschulbeträge entfielen. Und nicht zuletzt das OHG, dessen Oberstufe gestärkt würde.

Die neue Marschrichtung von SPD und Grünen, verbunden mit ungewohnt versöhnlichen Tönen, ist aber offenbar auch ein klares Signal an die Springer CDU. „Ich wäre überglücklich, wenn wir für dieses Modell eine breite Mehrheit im Rat bekämen“, sagt Brezski diplomatisch. Er macht keinen Hehl daraus, dass er im Zuge der Haushaltsberatungen schon bei den anderen Fraktionen vorgefühlt hat, um die Chancen für eine mögliche Zustimmung auszuloten.

Das passt durchaus ins Bild. In den vergangenen Monaten hatten SPD und CDU wiederholt hinter den Kulissen Absprachen getroffen und ein gemeinsames Vorgehen vereinbart – häufig zum Leidwesen der Stadtverwaltung. Die Annäherung ging teilweise so weit, dass Bürgermeister Jörg-Roger Hische (parteilos) neuerdings gern etwas hämisch von der „Großen Koalition“ spricht.



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