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Möglicherweise Knochen des ältesten Menschen der Stadt gefunden / DNA-Analyse soll Fragen klären

Idas kleiner Schädel – eine große Sensation

Springe. Der Fund ist eine Sensation. Das Museum hat das Schädeldach eines Menschen gefunden, der möglicherweise aus der vorletzten europäischen Eiszeit stammt. Der erste Springer – nach vorsichtigen Schätzungen über 20 000 Jahre alt.

Angelika Schwager und Helmut Busse begutachten die anderen Funde

Autor:

Markus Richter

Die Geschichte des alten Knochen ist kurios. Jahrelang lagerte er in einer Plastiktüte im Magazin auf dem Burghof. Museumsleiterin Angelika Schwager, Sprecher Helmut Busse und zahlreiche andere Ehrenamtliche haben in detektivischer Kleinarbeit die Puzzleteile eines prähistorischen Rätsels zusammengesetzt. Und stehen jetzt kurz vor dem wissenschaftlichen Durchbruch.

„Ich habe alle wild gemacht“

Entdeckt wurde der Schädel im Jahr 1954 bei Bauarbeiten. Recherchen bei der Stadt ergaben: Zwischen der Weißen Schule und dem Lichtenbergschen Haus an der Burgstraße wurden zu jener Zeit Keller abgerissen und erneuert, Arbeiten, bei denen man tief ins Erdreich vordrang. Zwei kleinen Mädchen ist es zu verdanken, dass der bedeutsame prähistorische Fund ans Tageslicht kam.

Ute Lemke und Sabine Pfand hatten beim Spielen auf der Baustelle mehrere Knochen ausgemacht. Irgendwann landeten die Funde im Museumsarchiv, vermutlich 1974. Zuletzt war die Tüte ans Tageslicht geholt worden, als die Mitarbeiter die Eiszeit-Ausstellung im vergangenen Sommer vorbereiteten. „Helmut Kürsten hatte noch gesagt, man könne das ja als Trinkschale ausstellen“, erinnert sich Schwager lachend.

Historisch bedeutsamer Fund: Sind das die Überreste des ersten S
  • Historisch bedeutsamer Fund: Sind das die Überreste des ersten Springer Menschen?

In der Nacht darauf sei sie selbst wach geworden und aus dem Bett gesprungen, denn plötzlich wurde ihr klar: Es handelt sich um die Kalotte eines Schädels, den oberen Teil eines menschlichen Kopfes, bei dem auch die Augenhöhlen ansatzweise sichtbar sind. „Ich habe dann alle hier wild gemacht“, berichtet Schwager. Für Busse stand fest, dass der Schädel die Jahrtausende in den Schiebekiesen überstanden haben muss. Damals, das sei so gut wie sicher, floss die Weser noch durch Springe. „Die Euphorie war geweckt“, sagt der Museumssprecher. Kürsten engagierte sich dann bei der Suche nach den Finderinnen, schaltete das Standes- und Tiefbauamt ein, alle arbeiteten Hand in Hand. Dann wurde das Landesmuseum in Hannover informiert. Chefarchäologe Dr. Martin Schmidt machte sich ebenso wie Susanne Hummel, Paläoanthropologin der Universität Göttingen, an die Arbeit.

Kleiner Kopf eines erwachsenen Menschen

Parallel tauchte in Sehnde ein weiterer Fund auf: Ein Schädel aus den Leinekiesen. „Wieder Kiese“, sagt Busse.

Zur genauen Datierung des Springer Fundes steht noch eine DNA-Analyse nach der Radiocarbon-Methode aus. Bei der sogenannten C14-Datierung wird anhand des Zerfalls eines Kohlenstoff-Isotops das Alter der Knochen bestimmt. Einige Indizien geben schon jetzt Anlass, den Schädel als die Überreste des „Ur-Springers“ zu bestimmen: Im Gesamtfund aus der Burgstraße tauchten Elchknochen auf – und Elche gab es hier nur in der Eiszeit. Der Schädel hat keine Kratzer, ist also nicht von Gestein oder Eis ins heutige Springe transportiert worden. Auch wenn der Kopf sehr klein gewesen sein muss, kann es sich nicht um den Schädel eines Kindes handeln. „Dann wären die Nähte nicht zusammengewachsen“, weiß Schwager.

Rätsel gibt den Geschichtsforschern auch noch eine kleine Ausbuchtung ähnlich einer Warze auf. Möglicherweise handelt es sich um eine Verletzung, vielleicht starb der Mensch nach einem Kampf. „Wir haben noch viele Fragen zu lösen, bis wir Genaueres wissen“, sagt die Museumschefin.

Die Knochenstruktur belegt zumindest eindeutlig, dass der vermutlich älteste Fund eines Menschen aus Springe das Schädeldach einer Frau ist. Und so haben Schwager und Busse auch schon einen Namen für die alte Dame ausgemacht: Ida. Schließlich hat jeder bedeutsame Fund auch einen Namen.



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