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Der kuriose Fall einer Lüderserin, die wegen einer nie begangenen Tat ins Gefängnis sollte

„Ich habe mich wie eine Verbrecherin gefühlt“

Lüdersen/Bennigsen (ric). „Ich war‘s nicht“ – ein Satz, den jeder Polizist, jeder Staatsanwalt, jeder Richter schon gehört und oft müde belächelt hat. Doch manchmal liegen auch die Behörden daneben, so wie es sich in diesem kuriosen Fall einer 51-Jährigen aus Lüdersen zugetragen hat.

Das Schreiben der Staatsanwaltschaft: Die Polizei sollte die Adressatin verhaften – wegen eines Vergehens, das sie gar nic

Ihr Weg führte die Frau vor Kurzem nach Bennigsen zur Polizeistation. Sie wollte eine ärgerliche Sache aus der Welt schaffen: Jemand belästigt sie ständig am Telefon, ruft an, nervt. „Als ich meinen Namen nannte, wusste der Beamte seltsamerweise schon, wo ich wohne“, erinnert sich die 51-Jährige.

Dann der Paukenschlag: Gegen sie lag zu diesem Zeitpunkt ein Haftbefehl vor. „Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte, das war vielleicht ein Gefühl – wie eine Verbrecherin…“, berichtet sie der NDZ. Die Staatsanwaltschaft Gera fahndete nach der Lüderserin. Der Grund: Wegen einer nicht gezahlten Geldbuße in Höhe von 25 Euro sollte sie für zwei Tage in der Justizvollzugsanstalt Bamberg hinter Schloss und Riegel. Völlig perplex musste die Diplom-Betriebswirtin diesen Schock erst einmal sacken lassen. Eigentlich, das wurde ihr dann klar, hätte die Polizei sie an Ort und Stelle nach Bayern überführen müssen.

Ein Glück, dass der Oberkommissar in Bennigsen nicht sofort streng nach Vorschrift Verstärkung rief, sondern stattdessen bei der Aufklärung des Falls behilflich war. „Das war sehr nett von ihm“, sagt die Frau. Recherchen ergaben dann, dass der Lüderserin vorgeworfen wird, im Juli in Thüringen eine Ordnungswidrigkeit begangen zu haben, indem sie mit einem Wagen zwölf Stundenkilometer zu schnell fuhr. Und weil das Verwarngeld nicht entrichtet wurde, ordnete die Staatsanwaltschaft Gera die Vollstreckung der Erzwingungshaft an. Seltsam nur, dass die Lüderserin nach eigenen Angaben nie in ihrem Leben in Gera war, kein Auto Marke Volkswagen mit Euskirchener Kennzeichen fährt – und auch keine Verwarnung per Post bekommen habe.

Vorsorglich hat sie jetzt dennoch bezahlt – 59 Euro für Bußgeld und Verfahrenskosten. Damit wurde der Haftbefehl aufgehoben. Aufgeklärt ist der Fall indes noch lange nicht: Liegt eine Verwechslung vor? Wie kamen die Behörden auf sie und ihre Adresse? Um das zu klären – und um ihr Geld zurückzubekommen – will die 51-Jährige jetzt einen Anwalt einschalten.



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