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„Ich brauche das Auf und Ab“

The Voice of Germany, Eurovision-Songcontest oder der Echo: Hinter der Bennigserin Jamie-Lee Kriewitz liegt eine aufregende Zeit. NDZ-Volontärin Saskia Helmbrecht sprach mit der 19-Jährigen über ihre Heimat, ihr Engagement für den Tierschutz und ihre musikalische Zukunft.

Zieht bald aus Bennigsen nach Magdeburg zu ihrem Freund: Jamie-Lee Kriewitz. Foto: Michael Zargarinejad / Universal Music
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Du gehst auf große Tour, reist durch zahlreiche Städte – was bedeutet dir dabei die Heimat? Bist du noch häufig in Bennigsen?

Jamie Lee: „Ich bin noch sehr häufig hier und wohne derzeit auch noch in Bennigsen – meine Heimat bedeutet mir sehr viel. Ich fand es auch toll, dass der Eurovision-Songcontest live auf dem Marktplatz in Springe übertragen wurde. Als ich in Hannover aufgetreten bin, kamen auch viele Freunde aus Bennigsen oder Hameln zum Konzert. Es ist auch kein Problem, den Kontakt zu Freunden und Familie zu halten. Natürlich vermissen mich meine Eltern, wenn ich längere Zeit weg bin, und freuen sich umso mehr, wenn ich für mehrere Tage hier bin. Gerade bin ich aber dabei, auszuziehen.

Wo geht es denn hin?

Ich werde nach Magdeburg zu meinem Freund ziehen. Mich hält nichts mehr auf dem Dorf; mir passiert hier zu wenig. Ich möchte Neues erleben und mein Ziel war es immer, in eine größere Stadt zu ziehen. Irgendwann möchte ich auch in Berlin wohnen. Und in größeren Städten ist es auch einfacher, sich vegan zu ernähren.

Du wurdest durch ein PETA-Video über Massentierhaltung zuerst Vegetarierin, ernährst dich jetzt seit vier Jahren vegan und setzt dich für Tierrechte ein: Was ist dir an dieser Arbeit besonders wichtig?

Ich konnte es noch nie sehen, wenn Menschen schlecht mit Tieren umgehen. Ich kann und will die Augen davor nicht verschließen, weil mir das so leid tut. Ich will ein Bewusstsein schaffen und es möglichst transparent machen, was da wirklich passiert, denn das Thema kommt viel zu kurz. Ich werde mich so lange vegan ernähren, wie ich es möchte und werde mich davon auch nicht abbringen lassen.

Du bist insgesamt ein sehr gefühlvoller Mensch, oder?

Sehr – ich brauche das Auf und Ab und etwas, worüber ich nachdenken kann. In die Themen, die ich in meinen Songs aufgreife, kann ich mich gut hineindenken, in die Situation reinfühlen und auch daraus lernen. Und die gefühlvollen Themen passen am besten zu Balladen – und die passen natürlich auch gut zu meiner Stimme. Trotzdem bin ich ein sehr fröhlicher Mensch.

In deinem Hit „Ghost“ singst du, dass man kein ganzes Leben braucht, um herauszufinden, was man vermisst. Was vermisst du denn gerade am meisten?

Ich vermisse gerade gar nichts. Ich habe tolle Leute um mich herum. Es gab schon Momente während des ESC, wenn ich abends alleine im Hotel war, in denen ich meine Freunde und Familie sehr vermisst und mich einsam gefühlt habe. Aber jetzt ist das wieder ganz anders. Gerade an die Menschen, mit denen ich täglich zusammenarbeite, habe ich mich mittlerweile gewöhnt und wir sind nicht nur Kollegen, sondern haben ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Alles ist so, wie es sein soll. Ich habe auf der einen Seite genügend Auftritte und auf der anderen Seite genug Zeit, mich noch mit Freunden zu treffen. Ich hatte am Anfang schon Angst, dass ich nach kurzer Zeit nicht mehr genügend Auftritte habe.

Stehst du trotz des ganzen Rummels noch gerne in der Öffentlichkeit?

Ich liebe das und stehe gerne im Mittelpunkt. Es macht mir Spaß, Interviews zu geben oder gefilmt zu werden. Ich gebe mir Mühe, aufzufallen.

War das schon immer so?

Vor allem während der Zeit von „The Voice of Germany“ habe ich das gemerkt – je weiter ich kam, desto mehr Interviews habe ich gegeben. Da kam es auch schon mal vor, dass ich an einem Tag 14 Interviews gegeben habe, das habe ich total genossen. Allerdings schaffe ich es auch, nicht erkannt zu werden, wenn ich das will. Wenn ich in meinen Outfits durch Hannover gehen würde, würde ich keine zwei Meter weit kommen. Im Alltag bin ich mit meinem Modestil viel entspannter geworden, ich ziehe auch mal Leggings an, sogar meist in schwarz. Und gehe auch ungeschminkt aus dem Haus.

Hand aufs Herz: Wie viele Outfits hast du im Schrank?

Ich habe so viele und immer wieder kommen neue dazu. Meine Stylistin kauft für mich natürlich auch immer wieder tolle Sachen. Jetzt musste ich sogar ein neues Regal kaufen, weil nix mehr in den Schrank passte. Ich müsste dringend mal aussortieren.

Begleiten dich Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier weiter als Mentoren?

Ich stehe noch in sehr engem Kontakt zu den beiden – gefühlt waren sie bei allem dabei. Sie haben mir dabei geholfen, den richtigen Weg zu finden. Den habe ich jetzt gefunden und bin daher mehr auf mich allein gestellt. Sie sind aber für mich da und helfen mir.

Du hast zahlreiche Prominente kennengelernt – welche Begegnungen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Beim Song-Contest „Dein Song für eine Welt“ habe ich beim Auftakt mit Adel Tawil und Fargo zusammengearbeitet. Das war toll. Aber auch so große Künstler wie Nena, Sasha oder Mark Forster – da werde ich immer dran denken.

Wie sehen deine musikalischen Pläne für die Zukunft aus?

Ich arbeite derzeit an meinem zweiten Album. Gerade bin ich mit meiner Songwriterin dabei, mir Themen zu überlegen und will auch dieses Mal die Songs mitschreiben. Mein Ziel ist es, mein zweites Album noch dieses Jahr zu veröffentlichen. Ich kann mir aber dieses Mal mehr Zeit lassen.

Wie stehen denn die Chancen, dich bald mal live in Springe oder Bennigsen zu hören?

Ich hätte da richtig Bock drauf. Wenn ich in Hannover auftrete, ist das ja nicht so eine weite Reise.

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