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Hitlergruß gezeigt – in den See gepinkelt

Springe. Er soll gegen das Waffengesetz verstoßen, eine Holzbank in der Springer Innenstadt mit einem Dolch beschädigt und in der Öffentlichkeit NS-Parolen gegrölt haben. Das Gericht zeigte sich gestern von der Schuld eines 43-jährigen Springers überzeugt und verurteilte den vielfach einschlägig vorbestraften Mann zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung.

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Zwar bestritt der Angeklagte sämtliche Vorwürfe oder erklärte, sich nicht erinnern zu können. Die Zeugen, die Richterin Tanja Künnemann zu den einzelnen Straftaten hörte, ließen aber keinen Zweifel: So fanden Polizeibeamte bei einer Durchsuchung im Haus des verstorbenen Vaters des Angeklagten unter anderem ein sogenanntes Nunchaku – eine Würgewaffe – dessen Besitz verboten ist.

Er habe geglaubt, es handele sich um ein landwirtschaftliches Gerät, um Korn zu dreschen, verteidigte sich der Angeklagte. Er bestritt auch, im Juli 2013 mit einem Dolch die Sitzbank am Glockenturm in der Springer Innenstadt beschädigt zu haben. Beobachtet wurde er dabei allerdings von einem hannoverschen Polizeibeamten, der in seiner Freizeit zufällig dort unterwegs war. Der Angeklagte habe inmitten einer pöbelnden Gruppe mit einem Dolch auf die Bank eingestochen, sagte der Zeuge gestern. Anschließend machte der 43-Jährige mit der Waffe auch noch Wurfversuche in Richtung der Banklehne. Der Polizist alarmierte seine Springer Kollegen.

Der Angeklagte räumte zwar ein, den Dolch besessen zu haben, die Sachbeschädigung an der Bank hätten aber seine Freunde begangen. Auch dass er einen Tag später am Steinhuder Meer verfassungswidrige NS-Parolen gerufen und den Hitlergruß in Richtung des Sonnenuntergangs am See gezeigt haben soll, gab der Angeklagte nicht zu. Er sei zwar dort gewesen, könne sich aber an einen solchen Vorfall nicht erinnern. Zeugen beschrieben ihn und zwei weitere Männer aus der Gruppe zwar als leicht alkoholisiert, von einem Vollrausch mit Filmriss gehe sie aber keinesfalls aus, sagte Richterin Künnemann. Das Trio hatte auf einem Steg „Sieg Heil“ geschrien, kniend der Sonne entgegen den Hitlergruß gezeigt und eine Fahne geschwenkt.

Als herbeigerufene Polizeibeamte auf die Gruppe trafen, urinierte der Angeklagte zudem ins Wasser. Fast alle Passanten hätten daraufhin fluchtartig den Steg verlassen, berichtete ein Mitarbeiter eines nahe gelegenen Kiosks.

Und er sagte noch etwas, was viele im Gerichtssaal berührte. Er lebe als Türke seit vier Jahrzehnten in Deutschland, das er als seine Heimat bezeichnete. „Vielleicht bekommen Sie auch einmal ein anderes Bild der hier lebenden Minderheiten“, sagte der Mann zu dem Angeklagten und lud ihn zu sich an den Kiosk ein. „Das war eine große Geste“, lobte Richterin Künnemann dieses Verhalten. Doch aus dem Besuch wird wohl erst einmal nichts werden: Weil er mehrfach einschlägig vorbestraft ist und eine hohe Rückfallquote aufweist, sahen weder Richterin noch Staatsanwalt eine positive Prognose für den Angeklagten. Damit gebe es keinen Grund, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Einbezogen hat Richterin Künnemann in ihr Urteil auch die jüngste Verurteilung des 43-Jährigen vor vier Wochen vor dem Amtsgericht. Weil er Kaninchen hatte verhungern lassen, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Verbot, die nächsten drei Jahre Kaninchen zu halten, bleibt auch mit dem neuen Urteil bestehen.zett



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