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Ortsrats-Zoff: Kritischer Artikel im SPD-Heft bringt noch einmal die CDU auf die Palme

„Hinterhältig, beschämend, schlechter Stil“

Gestorf. Im neuen Gestorfer Ortsrat hängt schon zehn Wochen nach der ersten Sitzung der Haussegen mächtig schief. Auslöser ist ein Text des langjährigen Bürgermeisters Bernd-Georg Höfer (SPD), der sich in einem Parteiheft kritisch zum Verhalten der CDU rund um die Wahl geäußert hatte. In der Ortsratssitzung am Mittwochabend forderten die Christdemokraten von der SPD-Fraktion, sich von dem Text zu distanzieren – vergeblich.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Heinrich Eicke jun. hielt nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg. „Beschämend“ sei Höfers Artikel, erklärte der CDU-Politiker – aber auch „schlechter Stil, hinterhältig, peinlich“. Wie berichtet hatte Höfer zum Jahresende in seinem Grußwort für das SPD-Heft „Was, wann, wo“ kritisiert, dass die CDU trotz ihrer Stimmenmehrheit auf das Bürgermeisteramt verzichtet hatte. Damit habe man zur „Politikverdrossenheit“ im Dorf beigetragen.

Eicke jun. sieht das ganz anders: „Solche Artikel tragen zur Verdrossenheit bei“, wetterte er – und forderte die SPD-Fraktion im Ortsrat auf, sich von den Worten Höfers zu distanzieren. Doch die Sozialdemokraten dachten gar nicht dran: Es handele sich um eine Zeitschrift der SPD, nicht der Fraktion, erwiderte Antje Cordts: „Weiter muss man sich da nicht zu äußern.“ Cordts hatte zuvor Eickes Anfrage mehrfach unterbrochen – aus ihrer Sicht formulierte der Christdemokrat viel zu ausschweifend.

Doch Eicke ließ sich nicht beirren: „Was da steht ist falsch“, betonte er. Man habe die Entscheidung vorher ausführlich besprochen. „Uns geht es aber auch um das Verhalten gegenüber Jürgen Kuschnereit“, so Eicke. Dieser habe bei Höfers Abschied eine „herausragende Rede“ gehalten und dem scheidenden Bürgermeister so gedankt: „Da ist dieser Text eine Reaktion, die man so nicht erwartet hätte.“ Wenn die SPD-Fraktion hinter Höfers Artikel stehe, „frage ich, ob man ihr noch vertrauen kann“.

Höfers Nachfolger, Bürgermeister Eberhard Brezski, versuchte, die Wogen zu glätten: „Das ist eine Sache zwischen Bernd und Jürgen“, sagte er; man sei als SPD weiter um gute Zusammenarbeit bemüht. Doch die von der CDU geforderte Distanzierung sprach auch Breszki nicht aus: „Das kann man machen – muss man aber nicht.“ Heinrich Eicke sen. entgegnete, man habe diese Antwort „zur Kenntnis genommen“ – doch besänftigt klangen er und seine Parteikollegen nicht.

Der gescholtene Höfer erklärte nach der Sitzung gegenüber der NDZ, er habe lediglich das in seinen Augen undemokratische Verhalten der CDU anprangern wollen. Kuschnereit habe er dabei sogar gelobt. Dieser wäre „aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit sicher auch in der Lage“, das Amt des Ortsbürgermeisters wahrzunehmen“, heißt es in dem Artikel.

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