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Hintergründe und Reaktionen zur Ortsbürgermeisterwahl

BENNIGSEN. Spürbare Anspannung vor der Wahl des Ortsbürgermeisters in Bennigsen – denn eines war klar: Wegen der Stimmengleichheit der beiden großen Parteien würde es knapp werden.

Auf der Gewinnerseite: Bürgermeister Christian Springfeld (Mitte) gratulierte dem neuen Bennigser Ortsbürgermeister Jörg Niemetz (CDU, rechts im Bild) und seinem Stellvertreter Thomas Dittert (Grüne) zur Wahl. Foto: Weißling
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Zur Sicherheit postierten die Ratsmitglieder noch einen Spickzettel mit den Namen der beiden Vorgeschlagenen in der Wahlecke. „Wir wollen ja keine Fehler machen.“ Und dann die Überraschung. Der junge CDU-Kandidat Jörg Niemetz zog mit sechs zu fünf Stimmen am bisherigen Ortsbürgermeister Volker Gniesmer vorbei. Die dritte herbe Niederlage für den erfahrenen SPD-Lokalpolitiker in diesem Jahr: Er hatte auch die Bürgermeisterwahl und dem Posten des Ratsvorsitzenden verloren.

So geschmeidig Gniesmer zuvor durch den ersten Teil der Sitzung geführt hatte, so getroffen wirkte er im Verlauf der Sitzung. „Ich trete nicht zur Wahl an“, gab er knapp bekannt, als es um die Frage des Stellvertreters ging. Das hatte zur Folge, dass die SPD auch bei dieser Wahl leer ausging. Mit sechs zu fünf Stimmen wurde der Grüne Thomas Dittert zum Stellvertreter gewählt. Und damit einer der Kandidaten, die möglicherweise schon bei der ersten Wahl die entscheidende Stimme zu Niemetz Erfolg beigetragen hatte. SPD-Ersatzkandidat Clemens Brandt fehlte die entscheidende Stimme.

„Nicht schön“, kommentierte ein Zuhörer nach dem öffentlichen Teil der Sitzung die Ortsbürgermeisterwahl. „Das war die Retourkutsche für die knappe Wahl im Stadtrat“, war er sich sicher. Dort hatte die SPD-Fraktion darum gekämpft, Gniesmers Ratsvorsitz zu behalten – statt der stimmenstärksten CDU den Posten kampflos zu überlassen. So war es in den vergangenen Jahren üblich gewesen. Hier entschied letztlich das Los über den Posten zugunsten der CDU.

Ein paar warme Abschiedsworte und Urkunden gab es in Bennigsen in der Sitzung für die scheidenden Ortsratsmitglieder – nicht aber für den ehemaligen Ortsbürgermeister, der das Amt knapp zweieinhalb Jahre ausgeführt hatte.

Stattdessen folgte ein Ringen um Kleinigkeiten, so zum Beispiel die mehrheitlich gewünschte Tempobegrenzung auf der Ortsdurchfahrt auf 30 Stundenkilometer in den Nachtstunden. Zehn von elf Ratsmitgliedern schlossen sich dem Vorschlag der SPD-Fraktion an. Von 22 bis 6 Uhr morgens soll demnach die enorme Lärmbelastung insbesondere durch Schwerlastverkehr wie zum Beispiel Rübenlaster gemindert werden. „Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich sofort die passenden Schilder aufstellen“, sagte Bürgermeister Christian Springfeld dazu. Wies aber darauf hin, dass die Landesstraßenbehörde hier mitzureden habe und voraussichtlich eine andere Position vertrete. Anders als in Eldagsen läge in Bennigsen auch noch kein Lärmgutachten vor, das wiederum Kosten verursache.

Der frisch gewählte Jörg Niemetz regte an, den Antrag nicht an die Verwaltung zu stellen, sondern an den Stadtrat. „Nein, an die Verwaltung“, wies Gniesmer seinen Nachfolger zurecht.

Versöhnlichere Töne gab es schließlich, als es um Kosten für einen neuen Weihnachtsbaumständer ging. Damit die Kirche ihren stattlichen Baum an den Weihnachtsmarkt vor ihrer Tür ausleihen kann, bedarf es eines sicheren Ständers auf dem Platz davor. Kostenpunkt 350 Euro. Einstimmig verabschiedet – so einig waren sich die Bennigser Politiker an diesem Abend nicht immer.

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