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„Heuberger“ vom Gestüt Webelsgrund beim CHIO in Aachen

ALTENHAGEN I. Im Gepäck hat Burgi Erdsiek einen Beutel Äpfel vom Springer Wochenmarkt. Heuberger liebt sie, genauso wie die Streicheleinheiten seiner Zieheltern Burgi und Harald Erdsiek. Die beiden Züchter sind dabei, wenn ihr Prämienhengst am Mittwoch beim weltgrößten Reitspektakel in Aachen startet.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Der Trakehner Heuberger – mit vollem Namen „Heuberger TSF“ – hat Ende vorigen Jahres den Sprung in die Elite geschafft: Er gehört jetzt zu den acht besten Dressurpferden Deutschlands. „Wenn wir ihn ins Ausland verkaufen würden, hätten wir quasi die Garantie, dass er bei den nächsten Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen dabei ist“, sagt Harald Erdsiek, Besitzer des Gestüts Webelsgrund in Altenhagen.

Erdsieks brachten ihren Schützling auf Webelsgrund bis zur M-Prüfung. Dann ergab sich das, was Harald Erdsiek als „kleinen Lottogewinn“ bezeichnet: Der frühere Dressur-Olympiasieger und Bundestrainer Klaus Balkenhol nahm Heuberger unter seine Fittiche, als Turnierpferd für seine Tochter Anabel. Balkenhol erkannte das Potenzial des Springer Hengstes sofort: „Er hatte vorher bereits Nachkommen von Heubergers Großvater Michelangelo trainiert“, erzählt Harald Erdsiek.

Zwar bedeutete die vor dreieinhalb Jahren besiegelte Zusammenarbeit, dass Heuberger von Springe ins Münsterland zog, aber: „Er hat sich seitdem enorm entwickelt.“ Der Trakehner geht von Sieg zu Sieg. Allein im vergangenen Jahr legte er neun erste Plätze bei großen Turnieren hin. Mit seinen zehn Jahren stehe er nun an der Schwelle, sagt der Züchter: „Jetzt entscheidet sich, wohin es noch gehen kann.“ Der Wert des Pferdes hat die Marke 200 000 Euro längst überschritten.

Die beiden Gestütsleiter versuchen, jeden Start von Heuberger live zu verfolgen. Dass sich der Hengst für das CHIO qualifiziert hat, ist vor allem für die gebürtige Aachenerin Burgi Erdsiek ein Traum: Seit 65 Jahren verfolgt sie das Reitfest, seit 40 Jahren sitzt Harald Erdsiek auf dem Stammplatz neben ihr. Was sie empfinden wird, wenn sie von der Tribüne aus ihr Ziehkind erblickt? „Ich werde sehr aufgeregt sein, wahrscheinlich sogar zittern“, meint Burgi Erdsiek. Damit sei sie das genaue Gegenteil von Heuberger. Denn der „ist eine richtig coole Socke“, wie die Seniorin lachend erzählt. „Er ist ein Arbeitstier, er will unbedingt. Und er ist immer hochkonzentriert bei der Sache.“

Erdsieks beschreiben ihren Prämienhengst außerdem als „charakterlich einwandfrei“. Deutlich ausführlicher und vollmundiger wird es, wenn man in Heubergers Zuchtbuch blickt. Da heißt es etwa: „Dieser Hengst ist mit einer tollen Bewegungsmechanik, in hervorragender Selbstdarstellung und mit überragenden Hinterbeinen ausgestattet.“ Mit der „Modellierung seines sportlich bedeutenden Körpers“ erfülle er „höchste Ansprüche“: „In der Formation von Schulter und Sattellage kommt er idealen Anforderungen sehr nahe“.

Sein Stammbaum ist erstklassig. Großvater war der Elitehengst Michelangelo. Auch seine Mutter Heublümchen und sein Vater Imperio wurden mehrfach ausgezeichnet. Imperio etwa war Vizeweltmeister und Bundeschampion. Derzeit gehört er zu Deutschlands vier besten Dressurpferden. Michelangelo hat einen Rennbahnrekord aufgestellt, wurde zum „Hengst des Jahres“ gekürt, 13 seiner Söhne sind zur Zucht zugelassen. Auch er ist mit Springe verwurzelt: Zwölf Jahre stand das Ausnahmepferd auf Webelsgrund.

Ob Heuberger das Zeug zu noch mehr hat? Burgi und Harald Erdsiek werden das heute Nachmittag beim „Grand Prix“ in Aachen genau beobachten. Wahrscheinlich wird der Trakehner zudem am Sonnabend beim „Grand Prix Special“ und mit Glück auch am Sonntag bei der „Grand Prix“-Kür zu sehen sein. Harald Erdsiek spricht ihm eine Chance auf den achten Gesamtplatz zu. Das wäre eine Sensation.

Sofort ganz nach vorne könnte es Heuberger bringen, würden ihn Erdsieks ins Ausland verkaufen, zum Beispiel nach Österreich. Das Level der deutschen Reiter ist so hoch, dass man hier mit der gleichen Leistung noch lange nicht in den Kader für Europa- und Weltmeisterschaften oder Olympia rutscht. Auch eine der Bedingungen, um die höchste Stufe als Deckhengst zu erreichen, ist ein Verkauf. Dennoch spielen Burgi und Harald Erdsiek nicht mit dem Gedanken, Heuberger wegzugeben. Der Preis für diesen Ruhm wäre ihnen zu hoch. Heuberger sei schließlich Teil ihrer Familie und damit auch von Springe – und soll es bleiben.



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