weather-image
28°

Hermannshof Völksen: Teepavillon feiert Hundertjähriges

VÖLKSEN. Der Hundertjährige präsentiert sich in blendender Form. Blitzblank geputzte Scheiben, die blendend weiß und frisch gestrichene Holzkonstruktion verströmt noch einen intensiven Farbgeruch, und nicht nur die abendliche Illumination lässt den Musentempel zu einem echten Blickfang werden.

Zu seinem 100. Geburtstag stellt sich der Tempel einmal mehr als Kunstträger vor. FOTOS: HUPPERT

Autor

Christoph Huppert Reporter

„Wir wollten einfach mal gucken, was das für uns heute heißt“, so der künstlerische Leiter des Hermannshofs, Eckhart Liss. 1917 im Geiste des Jugendstils vom hannoverschen Unternehmer Hermann Rexhausen errichtet, fügte sich das mit einem konischen Aufsatz als Dachform erweiterte Oktogon ein in die Tradition der vom Wiener Architekten Josef Hoffmann um die Jahrhundertwende begründeten Mode der Gartenlusthäuschen. „Der sagte, dass die bewusst poetischen Impulse in einer wenig poetischen Zeit seien“, erklärt Liss.

Der Entstehung und Geschichte des Völksener Teepavillons hat auch der Springer Historiker Ulrich Manthey in einem Sonderband der Schriftenreihe im Verlag zu Klampen nachgespürt.

Zu seinem 100. Geburtstags stellte sich der Musentempel einmal mehr als „Kunstträger“ vor. Während draußen an der Straße Jörg Langes Großschilder den Bezug zum Kriegsjahr 1917 mit historischen und aktuellen Ansichten des Schlachtfeldes von Verdun thematisieren, hat der Braunschweiger Kunstprofessor Ulrich Eller im Teepavillon einen riesigen, fast den gesamten Raum füllenden gelb leuchtenden Ballon untergebracht. An zwei Punkten befestigt, wird dieser gelbe Planet zu einem Klangkörper, der als Resonator den Raum beschallt. „Er verbindet zwei Klangräume, den der Außenwelt und den im Nahbereich, wenn man das Ohr der Außenhaut des Ballons annähert“, erklärt Ulrich Eller. Was entsteht, ist, so Liss, „ein transmodaler Effekt, der den Ballonkörper in permanenter Ausdehnung erscheinen lässt“.

Bettina Nürnberg und Dirk Peuker lassen mit ihren Glasdrucken in der Diele des Großen Hauses, Jugendstilelemente auferstehen. Sie gestalten mit fotografischen Möglichkeiten bildnerischem Ausdruck die zwölf Scheiben der Terrassentür zur Gartenseite hin. „Inhaltlich und gestalterisch ein Kontrast zu den Glasmalereien im zentralen Fenster des Haupthauses und eine Auseinandersetzung mit der Zeit der Entstehung dessen historischer Glasbilder“, so Liss. „Der Entwurf ist zugleich Vorbote und Beitrag zum 100 jährigen Geburtstag der Gründung des Bauhauses in 2019. Die Arbeit wird über den Zeitraum der kommenden drei Jahre bis 2020 zu sehen sein.“

Musikalisch wurde der Geburtstagsnachmittag mit einem Gastspiel des Berliner Jazz-Trios „Triebwerk Hornung“ und dem hannoverschen Duo „Zeit und Zorn“ gefeiert. Während die Hannoveraner Felix Petry und Klaus Spencker mit unterschiedlichen musikalischen Mitteln die Soundtracks ihrer Kindheit wachriefen, boten die Berliner im Rahmen der Musikreihe „JazzGutunterwegs“ eine exzellente Mischung von mal überbordenden, mal fragilen Elementen, die die Zuhörer im „Haus im Garten“ mal einzulullen drohten, dann aber wieder forderten. Eben ein Geburtstagsständchen ganz à la Hermannshof.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare