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Der Dokumentarfilm „Neuland“ zeigt interessante Menschen aus den neuen Bundesländern

Helden des Alltags und der Mut des Aufbruchs

Völksen. „Eine Reise durch Regionen zwischen Abbruch und Aufbruch“ – besser konnte man die Idee hinter dem Dokumentarfilm „Neuland“ von Daniel Kunle und Holger Lauinger, der jetzt auf dem Hermannshof vorgeführt wurde, nicht auf den Punkt bringen. „Neuland“ befasst sich mit dem strukturellen Wandel in den neuen Ländern, dokumentiert Verfallsprozesse in aussagekräftigen Bildern und lässt Menschen aus den betroffenen Gebieten zu Wort kommen.

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Autor:

Volker Behner

Den Zuschauern in der Kunst- und Begegnungsstätte wurde schnell deutlich, dass es sich bei „Neuland“ nicht um eine Aneinanderreihung sozio-apokalyptischer Szenarien mit hier und da eingestreuten resignierten Äußerungen von Menschen „von drüben“ handelte. Die Leute, die in der 2007 veröffentlichten Dokumentation zu Wort kommen, ergehen sich nicht in Verbalattacken gegen eine Politik, die sie mit ihren Versprechen von „blühenden Landschaften“ hinters Licht geführt hat.

Sie wissen längst, dass sie sich auf sich selbst verlassen müssen, schöpfen dabei aus einem „Luxus der Leere“, von dem der im Film zitierte Architekturkritiker und Publizist Wolfgang Kil in seinem gleichnamigen umstrittenen Buch schreibt. Gemeint ist das optimistische Erkennen einer neuen lebenspraktischen Freiheit, die einhergeht mit dem Abschied von der Zukunftsidee eines immerwährenden Wachstums.

Ein paar Szenen: Ein Bürgermeister wirbt für den ihm anvertrauten Ort um Kolonisten. Zwei BWL-Studenten entschließen sich zum Betrieb einer Schneckenmast. Ein Planer löscht seine Stadt aus. Ein Arbeitsloser ermutigt Menschen mit gleichem Schicksal, mit einem T-Shirt der Öffentlichkeit kund zu tun: „Ich bin überflüssig!“. In Waltershausen gründet sich eine Kommune: „Nicht um ein Stück Kuchen betteln, sondern eine eigene Bäckerei aufmachen“ hat man sich hier vorgenommen…

Die Gäste der Filmvorführung – unter ihnen auch Springes Bürgermeister Jörg-Roger Hische – waren beeindruckt von den Helden des Alltags, die ihnen auf der Leinwand begegneten. In der sich an die Vorführung anschließenden Gesprächsrunde mit Regisseur Holger Lauinger und Gerd Dallmann, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, zeigte sich das offensichtlich rege Interesse der Anwesenden ebenso wie die Sorge um die zukünftigen Auswirkungen und Folgen der Globalisierung auch im Westen Deutschlands.

Lauinger brachte das Sujet seines Films in der Diskussionsrunde auf den Punkt: „Wichtigster Verdienst der Menschen, die ich zeige, ist deren neues Selbstbewusstsein, ihr Mut zum Experimentieren und damit verbunden Mut zum Scheitern ohne Scham.“ Eine Lebenseinstellung, von der man sich auch in den alten Bundesländern etwas abschauen kann – „Neuland“ ist jedenfalls ein Film, den es anzuschauen lohnt.

Auch Bürgermeister Jörg-Roger Hische war bei dem Dokumentarfilm-Abend auf dem Hermannshof dabei und diskutierte mit Regisseur Holger Lauinger und Gerd Dallmann über die neuen Bundesländer.



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