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Soll die Stadt weiter Fast-Food-Ketten umwerben? Rat diskutiert zukünftige Stadtentwicklung

Heiße Debatte über die Ansiedlungspolitik

Springe (col). Ausgelöst durch das Thema Fast-Food-Ketten entbrannte in der jüngsten Ratssitzung eine hitzige Grundsatzdebatte über die Qualität der städtischen Wirtschaftsförderung. Die Verwaltung musste sich den Vorwurf mangelnden Engagements gefallen lassen.

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Mit seiner Anfrage „Sollen weitere Bemühungen zur Ansiedlung einer Fast-Food-Kette erfolgen?“, hatte Klaus-Dieter Nold (CDU) den Stein ins Rollen gebracht. Wirtschaftsförderer Hermann Aden sieht nach eigenen Worten drängendere Probleme, die sich für Springe stellen. Bürgermeister Jörg-Roger Hische (parteilos) nannte die Kritik unbegründet, die Stadt sei schließlich ständig in Gesprächen mit Firmen.

„Es macht keinen Spaß, sich immer wieder Absagen einzuhandeln“, räumte Aden ein. „Mit dem Kopf durch die Wand hilft nicht.“Die Ansiedlung einer Fast-Food-Kette sei aus Verwaltungssicht auch nicht das wichtigste Thema.

Ganz im Sinne der Grünen: Ihr Ratsherr Thomas Hüper-Maus erachtet die Ansiedlung einer solchen Kette gar als schädlich. Einerseits würde ein solches Angebot an der Osttangente die Geschäfte in der Innenstadt schwächen, und „konsumökologisch“ sei eine solche Ansiedlung auch nicht wünschenswert, so Hüper-Maus. Geht es nach den Grünen, soll sich die Stadt künftig Anfragen dieser Art ersparen.

SPD-Fraktionschefin Katrin Kreipe griff Aden dagegen frontal an: „Als Wirtschaftsförderer ist es Ihre Aufgabe, sich um Neuansiedlungen zu kümmern.“ Dies sei nicht zuletzt im Interesse der Jugend.

Das wollte Aden nicht auf sich sitzen lassen. Es sei müßig, die Betreiber davon überzeugen zu wollen, „dass Springe so toll ist und sie deshalb unbedingt herkommen müssen“. Kino oder Bowlingbahn seien kaum zu realisieren, da die wenigsten Banken das finanzieren würden.

Harald Klotz (FDP) zeigte wenig Verständnis für die Diskussion. Er wies auf die Philosophie des Stadtmarketings hin: „Immer das Ziel vor Augen: die Attraktivität und Lebensqualität unserer Stadt zu erhalten, zu fördern und zu verbessern. Warum lassen wir sie nicht genau das tun?“

Nold bezweifelte hingegen die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Verwaltung Gedanken zum Thema mache. Springe sei als Standort nicht so interessant, dass Menschen hier um jeden Preis wohnen blieben oder gar überhaupt erst herzögen. „Wir müssen uns also überlegen, was wir der Jugend hier bieten können“, forderte er.

Mit Blick auf Empfehlungen aus einem Stadtentwicklungsgutachten von 2000 erinnerte Hische schließlich daran, dass es damals noch kein konkurrierendes McDonalds-Restaurant in Holtensen gegeben habe, der damalige Rat jedoch gegen eine Ansiedlung gewesen sei. „Wir sind laufend mit Firmen im Gespräch, aber wir haben hier eben den Nachteil der demografischen Überalterung“, so Hische. „Wir werden auch in 50 Jahren keine Autobahn vor der Tür haben wie in Lauenau, wo sich dann Burger King ansiedelt.“ Diese Argumentation ließ Nold nicht gelten. „Wer Gewinne erzielen will, muss investieren“, zitierte er eine Kaufmannsregel.



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