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Mathias Gocek und Manfred Meißner arbeiten im Kindergarten und im Hort als männliche Erzieher

Harte Jungs und weiche Kuscheltiere

Bennigsen (zett). Manchmal sind sie da, die Zweifel an Mathias Goceks Männlichkeit. Geäußert werden sie von anderen Menschen, denen der 28-Jährige erzählt, dass er als Erzieher im Kinderhort arbeitet: „Da heißt es dann: ,Das ist nicht männlich‘“, sagt Gocek und lacht. Neben ihm sitzt Manfred Meißner und lacht mit – er kennt das Thema, auch er ist Erzieher.

Hart und kuschelig: Mathias Gocek und Manfred Meißner sind als m

Tätig sind beide in Bennigsen – Gocek im DRK-Hort, Meißner in der Rotkreuz-Kita am Rolfskamp. Der 52-Jährige kam „über verschiedene Umwege“ zum Erzieherberuf. Schon als Kind musste er sich um seine kleinen Geschwister kümmern, weil die Eltern berufstätig sind: „Daran habe ich mich später wieder erinnert.“ Er absolvierte eine Zusatzausbildung – und beschreibt seinen Job als „eine riesige kreative Spielwiese, aber auch als Chance zur Selbsterfahrung: „Sich mit Kindern auseinanderzusetzen heißt für mich auch, sich mit mir selbst auseinanderzusetzen.“

„Ich bin froh, dass ich es gemacht habe“

Auch bei Gocek spielte für die Berufswahl die eigene Vergangenheit eine Rolle: Als Kind früh auf sich gestellt, besuchte er nach der Schule eine Hortgruppe: „Da habe ich tolle Erinnerungen dran.“ Auch er lernte aber zunächst einen anderen Beruf, machte eine Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker – mit Erfolg: „Aber irgendwann dachte ich: Den ganzen Tag am PC sitzen, das ist nichts für mich.“ Er besann sich auf seine schöne Hort-Kindheit und ging in die Pädagogik: „Der Einstieg war sehr schwer“, erinnert sich Gocek, „aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.“

Dass ihr Beruf so sehr von Frauen dominiert wird, finden Meißner und Gocek schade – „sowohl für die Kinder als auch für die Erzieherinnen“, sagt Meißner schmunzelnd – um dann ganz ernsthaft zu erklären: „Wir haben manchmal zum Beispiel ein ganz anderes Vertrauen zu den Kindern als die Frauen.“ Beim Klettern etwa ermutige er die Mädchen und Jungen eher mal: „,Probier dich aus, ich kann dich stützen’, sage ich dann.“ Insgesamt sieht der 52-Jährige „produktive Reibungspunkte“ in der Alltagsarbeit mit den Erzieherinnen: „Wir haben halt alle eine andere Sichtweise. Und das ist gut, das ergänzt sich prima. Die Kinder profitieren von dieser Reichhaltigkeit.“

Gocek nickt – und Meißner erklärt weiter. Dass sich beide Männer nicht als Ersatz sehen, wenn im Leben der Kinder die Vaterfigur fehlt: „Trotzdem merkt man das. Unsere Bedeutung ändert sich, die Kinder holen sich dann bei uns, was sie vermissen. Aber das soll ja auch so sein.“ Manchmal rutsche einem Kind im Gespräch mit ihm auch schon mal die Anrede „Papa“ raus, erzählt Meißner: „Das signalisiert ja auch große Nähe.“

Gocek hat bei Kindern, die ihren Vater selten oder nie sehen, „ein verklärtes Männerbild“ ausgemacht: „Sie glauben, wir sind alle große, starke Wesen, die nie Gefühle zulassen.“ Da seien er und Meißner eine gute Hilfe, „etwas Realistischeres zu vermitteln“, sagt Gocek. Auch die Nachteile des Jobs – geringer Verdienst, wenig Aufstiegsmöglichkeiten – kann beide nicht schocken: „Mein Beruf ist meine Berufung“, sagt Gocek. Und: „Mir ist es nicht wichtig, ein Haus zu besitzen. Man muss einfach auf seinen eigenen Anspruch hören.“ Dass ihn trotzdem manche Männer schief angucken, stört den 28-Jährigen übrigens nicht: „Frauen reagieren anders“, erzählt er, „da hat man schnell mal einen Stein im Brett, wenn man sich mit Kindern auskennt.“



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