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Handwerker-Eiche: Bänke abgebaut und Schild geklaut

BENNIGSEN. Auf einmal war alles weg: Weil er fit bleiben möchte, geht Klaus Bödeker viermal wöchentlich walken: „Ich bleibe dran, solange es geht.“ Die Touren führen den rüstigen Senior rund um Bennigsen. In der vergangenen Woche musste er dabei feststellen, dass an der Handwerkereiche Bänke abgebaut worden sind

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Ich habe die gerne genutzt“, sagt Klaus Bödeker – und fragt sich, was der Grund für den Abbau ist. Die Suche gestaltet sich als kompliziert: Bei der Stadtverwaltung ist der Rückbau nicht dokumentiert – und auch Ortsbürgermeister Jörg Niemetz weiß nicht, was mit den Sitzmöbeln passiert sein mag.

Errichtet wurden die Bänke auf der Grünfläche mit dem als Handwerkereiche bekannten Baum im Jahr 1986 – von der Bennigser Handwerkervereinigung. Die wiederum formierte sich 1980 zu einem Verein gleichen Namens, Vorbild war der frühere Handwerkerverein Bennigsen, der in den 40er Jahren aufgelöst worden war.

Nach der Neugründung wollten die Handwerker auch eine Landmarke im Ort setzen. Und pflanzten die Eiche auf einem Grundstück in der Feldmark nahe der S-Bahn-Strecke, das sie von der Bundesbahn gepachtet hatten. Ein Findling mit einem Metallschild und der Aufschrift „Handwerkereiche 1986“ erinnerte an Spender und Spendenjahr für den Platz, der sich rasch zum beliebten Ausflugziel für Wanderer und Erholungssuchende aus Bennigsen entwickelte. Die Plakette wurde inzwischen gestohlen. Und auch die Bänke sind weg – abgebaut. Letzteres hat die Handwerkervereinigung aber selbst veranlasst.

„Wir wollten und konnten den Dreck rund um den Platz einfach nicht mehr wegräumen“, argumentiert Otto Mente von der Handwerkervereinigung. Immer wieder sei das Gelände völlig vermüllt worden, besonders nach Christi Himmelfahrt habe es rund um den Baum ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.

Die Handwerker haben deshalb nun einen Schlussstrich gezogen – und den Pachtvertrag für den Baum gekündigt. Damit ist der Verein mit rund 40 Mitgliedern nicht mehr verantwortlich für das, was auf dem Platz geschieht. Um zu verhindern, dass er künftig weiterhin Feiernde anzieht, die Unrat hinterlassen, wurden auch die Bänke abgebaut. Tabula Rasa.

Zum Unmut etwa von Klaus Bödeker, der die Bänke durchaus für eine Rast genutzt hat, ohne anschließend ein Schlachtfeld auf dem Gelände zu hinterlassen.

Die Handwerker indes bitten um Verständnis: Viele der 40 Mitglieder seien in die Jahre gekommen und könnten nicht mehr zu Arbeitseinsätzen ausrücken. Und ersuchen die Bennigser zugleich um Hilfe: „Die Metallplatte hat für uns auch einen ideellen Wert“, sagt Mente. Gemeint ist die Metallplakette, die verschwunden ist. Bennigser, die vielleicht beobachtet haben, wo das Schild hingekommen sein könnte, sollen sich bei den Handwerkern melden.

Anzeige gegen unbekannt möchte Handwerker-Chef Hans Döring indes nicht erstatten: „Das lohnt sich ja nicht.“

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