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Häusliche Gewalt: 52 bekannte Fälle 2018 in Springe

SPRINGE. Nach dem Bericht von Kripo-Chef Hartmut Retzlaff herrschte in der Sitzung des Sozialausschusses erst einmal betroffenes Schweigen. 52 Ermittlungsfahren wegen häuslicher Gewalt hat die Polizei in Springe im vergangenen Jahr aufgenommen – im Durchschnitt ist das ein Verfahren pro Woche.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

In 47 der 52 Fälle kam es zu einer Körperverletzung, die anderen Verfahren betrafen etwa Diebstahl oder es kam zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Elf weitere tauchen unter „Sonstiges“ auf – lassen laut Retzlaff aber auf häusliche Gewalt schließen. Gleichzeitig geht die Polizei von einer hohen Dunkelziffer aus. Laut einer aktuellen Statistik, so Retzlaff, werde nur jede zehnte Straftat angezeigt. „In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Fälle in Springe leicht gestiegen“, so Retzlaff. Mehrheitlich seien Frauen betroffen. „Und relativ häufig kommt es auch zu Stalking-Delikten.“ Nicht immer seien Drogen oder Alkohol im Spiel, so Retzlaff.

Zum Vergleich: In Barsinghausen etwa gab es 2018 insgesamt 80 Verfahren wegen häuslicher Gewalt, in Gehrden waren es 40, in Pattensen 22 und in Wennigsen 25 – diese Zahlen hat Phillip Hasse, Sprecher der Polizeidirektion Hannover, zusammengetragen. In der gesamten Region Hannover waren es 4000 Fälle. Dabei gehe die Tendenz zu Gewalttaten in Paarbeziehungen zurück, sagt Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Allerdings habe es seit 2011 keine bundesweite Datenerhebung zu dem Thema mehr gegeben. 2011 seien laut Pfeiffer 11 500 Personen befragt worden, ob sie Opfer häuslicher Gewalt geworden seien. Als Vergleich wurden Daten von 1992 herangezogen. „Demnach war die Zahl der Vergewaltigungen um die Hälfte zurückgegangen.“

Große Wirkung habe das 2001 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz gezeigt, davon ist Pfeiffer überzeugt. Das Gesetz habe bei den Frauen für mehr Selbstvertrauen und Eigenständigkeit gesorgt. Auch wenn es keine neueren Daten gibt: „Wir vermuten, dass der Trend anhält.“ Allerdings: „Jede Zuwanderung von männlicher Dominanz nach Deutschland bedeutet, von vorne anzufangen. Es muss ein kultureller Lernprozess stattfinden, der aber auch Zeit braucht. Besonders positiv war dieser Prozess bei Türken zu beobachten“, so Pfeiffer.

In Springe werde in unterschiedlichen Milieus ermittelt. „Das ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess“, so Retzlaff. In vielen Fällen wollen sich Beteiligte aber erst einmal beraten lassen und keine Anzeige erstatten. Das Problem: „Die Polizei darf nicht beraten; das ist gesetzlich festgelegt.“ Gibt es bereits konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat, muss die Polizei ein Verfahren einleiten.

Die nächste Beratungsstelle aber ist das rund 20 Kilometer entfernte Frauenzentrum Ronnenberg. „Dieser Weg ist zu weit, weil Betroffene die Fahrtzeit zu Hause nicht erklären können“, kritisiert die städtische Gleichstellungsbeauftragte Lena Rödiger. Möglicherweise könne das Thema interkommunal aufgegriffen werden, schlägt Elke Riegelmann (CDU) vor. „Es ist deutlich geworden, dass Handlungsbedarf besteht, weil es diese Fälle in Springe gibt. Dem müssen wir als Stadt begegnen und schauen, welche Lösungsansätze es gibt“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld. Zudem will die Politik Vergleichszahlen anfordern, um die Situation besser einordnen zu können.



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