weather-image
27°

Gutshof von Jeinsen: Der Ort, an dem die Liebe wohnt

GESTORF. Zwischen den knorrigen Bäumen aus dem 18. Jahrhundert recken Pfingstrosen ihre Köpfe hervor, verwunschene Hecken wechseln sich ab mit romantischen Blumenrabatten – es ist ein Stück Erde, das vom Glück geküsst wurde. Wie geschaffen für den schönsten Tag des Lebens.

„Ich fühle mich reich beschenkt“: Friederike von Jeinsen genießt den Umgang mit den Hochzeitsgesellschaften, die sich das Rittergut III in Gestorf für den schönsten Tag ihres Lebens aussuchen. Foto: Scheffler
marita

Autor

Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

„Diesen Park mit anderen zu teilen, macht mir unglaubliche Freude“, sagt Friederike von Jeinsen. „Ich fühle mich dadurch selber so reich beschenkt.“

Seit fünfeinhalb Jahren unterhält das Springer Standesamt auf dem Gutshof der Familie von Jeinsen eine Außenstelle. 70 Paare reichen sich hier seitdem Jahr für Jahr ihre Hände. Sie kommen nicht nur aus der näheren Umgebung oder aus Hannover. Auch aus Hamburg, Stuttgart, München und Österreich reisten schon Hochzeitsgesellschaften an.

Die Idee zum Hochzeits-Ort kam den beiden Hausherrn Friederike und Klaus von Jeinsen, als vor acht Jahren eines ihrer Kinder auswärts den Bund fürs Leben schloss. „Das Standesamt war, nennen wir es, steigerungswürdig“, erzählt die gelernte Dekorateurin und Antiquitätenhändlerin Friederike von Jeinsen lachend. Als sie bei der anschließenden Hochzeitsfeier im heimischen Garten die festlich-gekleideten Gäste und Familienmitglieder betrachtete, „habe ich irgendwann Lust bekommen, das häufiger zu sehen“, erinnert sie sich. Ein paar Wochen später schlenderte sie mit der Leiterin des Springer Standesamts, Martina Haugwitz, durch das mehr als 200 Jahre alte und früher einmal welfische Haupthaus und den angrenzenden Park.

Im Dezember 2012 fiel das erste offizielle Ja-Wort in einer der früheren Wohnstuben des malerischen Fachwerkhauses. Auf Hochzeitsstühlen aus den 1840er Jahren, unter einem verschnörkelten Kronleuchter, mit Blick auf in die Wand eingelassene Gemälde. Gleich hinter den Fenstern beginnt der Park, der bei gutem Wetter als Trau(m)ort zur Verfügung steht.

„Anfangs habe ich gedacht: 20 Eheschließungen im ersten Jahr wären schon toll“, sagt Friederike von Jeinsen. Es wurden 40. Mittlerweile sind es fast doppelt so viele. Warum Paare sich ausgerechnet den Gutshof in Gestorf für ihre Eheschließung aussuchen? „Viele, die sich für uns entscheiden, heiraten nicht kirchlich“, weiß von Jeinsen. Sie schätzt den Anteil auf zwei Drittel. Und wenn es nur einen schönsten Tag gibt, dann muss eben auch der Ort ein ganz Besonderer sein.

Es ist ein Herzenswunsch von Friederike von Jeinsen, es den Paaren in den eineinhalb Stunden, die sie bei ihr verbringen, möglichst schön zu machen. Sie führt die Liebenden bei der Terminabsprache über das Gut und bindet die Sträuße für den Tischschmuck selbst – mit Blumen aus dem eigenen Garten, die sie extra für diese Anlässe anbaut. Und wenn die Besucher wollen, leiht sie ihnen außerdem länger ihr Ohr. „Wenn man die Schicksale hört, wird man manchmal ganz klein“, sagt sie über die 20- bis 70-Jährigen, von denen jeder seinen ganz eigenen Grund zum Heiraten hat. Negative Erfahrungen mit Gästen habe sie in den fünfeinhalb Jahren nicht gemacht.

Der Park blühe dank der zahlreichen Besucher so schön wie noch nie, meint sie. Und dann erzählt sie Oscar Wildes Geschichte vom selbstsüchtigen Riesen, der schmerzhaft lernen muss, dass in einen Garten Kinderlachen gehört, dass die Vögel schöner zwitschern, wenn sie viele Zuhörer haben. Liebe und Glück seien das Einzige, das sich verdoppele, wenn man sie teilt – im Gutshof-Park solle genau das sichtbar werden.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare