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Günter Meyer: „Schulden können jeden treffen“

SPRINGE. Das Helfen, das war Günter Meyers Ding, schon immer. Rund 2400 Menschen hat der 64-jährige in den vergangenen 28 Jahren zur Seite gestanden – allein in Springe. Am Freitag wird der Schuldnerberater in den Ruhestand verabschiedet.

Im Einsatz für verschuldete Springer: Günter Meyer in seinem Büro in der Pastor-Schmedes-Straße 5. FOTO: MISCHER
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

In den 1980er-Jahren nahm Meyer sein Studium der Sozialpädagogik an der Universität Hildesheim auf. Später war für ihn klar, dass er in die Schuldnerberatung geht, „das ist ein Arbeitsfeld mit Zukunft, da gibt es Bedarf“. Zuerst arbeitet er noch für den damaligen Kirchenkreis Springe, der eine eigene Schuldnerberatung eingerichtet hatte. Später wechselte er zum Diakonieverband Hannover-Land, der ebenfalls eine kostenlose Schuldnerberatung angeboten hat.

„Oft geht es bei meinen Klienten um Existenzfragen, die sie bewegen“, sagt Meyer. Der Schuldendruck wachse mit der Zeit, „viele Menschen haben dann Angst und öffnen ihre Post nicht mehr“. Ihnen diese Angst zu nehmen, auch das sah Meyer als seine Aufgabe. Neben den ganzen rechtlichen und finanziellen Beratungen, die er natürlich auch stets bot.

Bewegend war für Meyer immer wieder, zu erfahren, wie die Ratsuchenden in die Schuldenfalle geraten waren. In dem Zusammenhang spricht er von Lebensunfällen: Der nicht geplanten Ehescheidung, der schweren Krankheit, die mit Berufsunfähigkeit verbunden ist, unerwarteter Arbeitslosigkeit oder gar Insolvenz des Arbeitgebers. Meyer weiß: „Es kann jeden treffen. Vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Selbstständigen.“

Meyer hat oft erlebt, dass Menschen „sich in einer solchen Situation durchwursteln und dann zu wenig zum Leben haben – und sich Geld leihen müssen“. Willkommen in der Schuldenfalle. „Wir versuchen dann immer, das Machbare zu vermitteln in überschaubaren Zeiträumen.“

Die Änderungen des Insolvenzrechts im Jahr 1999 mit der Möglichkeit, private Schulden zu streichen und ab 2014 der Möglichkeit, das Verfahren zu verkürzen, ist für Meyer ein Schritt in die richtige Richtung. „Darauf haben wir immer hingewirkt.“

Nun, nach all der Zeit in Springe, blickt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. „Es war ein gutes Gefühl, Menschen helfen zu können, mir wurde viel Dankbarkeit entgegengebracht.“

Am Freitag wird Meyer in den Ruhestand verabschiedet: Mit einem Gottesdienst um 11 Uhr in der St.-Andreas-Kirche. Beim anschließenden Empfang bedanken sich Superintendent Detlef Brandes und Jörg Engmann als Geschäftsführer des Diakonieverbandes Hannover-Land für seine Arbeit.

Meyer freut sich: „Ich habe endlich mal Zeit für mich.“ Am Anfang des Ruhestandes möchte er seinen Terminkalender bewusst leer halten. Lange, so fürchtet er, bleibt er das ohnehin nicht. „Ich werde mich auf jeden Fall ehrenamtlich engagieren.“



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