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Großer Prozess

Springe. 50 Zeugen werden geladen, möglicherweise müssen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden: Ab dem 10. Februar steht ein 22-jähriger Neonazi vor dem Springer Amtsgericht, der mit einer Zwille auf Parteibüros in Pattensen und Hannover geschossen haben soll. Auch Gedenktafeln und ein Dönerimbiss waren laut Anklage Ziel seiner Anschläge.

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Als der Pattenser die Taten verübt haben soll, war er höchstens 21 Jahre alt. Er könnte deshalb als Heranwachsender verurteilt werden, der Prozess spielt vor dem Jugendschöffengericht. Die Akten landen automatisch in Springe, da Pattensen zum hiesigen Amtsgerichtsbezirk gehört.

„Für uns ist das ein vergleichsweise großes Verfahren“, sagt Geschäftsleiter Frank Minder mit Blick auf die 50 Zeugen, die 16 Anklagepunkte und das überörtliche Medieninteresse an dem Fall. Sollte es Gefahrenhinweise geben – etwa, weil Rechtsradikale den Prozess aufmischen wollen – „werden wir darauf reagieren“, kündigt Minder an. Er könne Wachtmeister von anderen Gerichtsstandorten anfordern, im Notfall würden Polizisten hinzugezogen. Der rechtsextreme Pattenser war früher Mitglied der seit 2012 verbotenen Gruppe „Besseres Hannover“. Zu den 16 Anklagepunkten gehören ein Verstoß gegen das Waffengesetz ebenso wie acht Sachbeschädigungen, drei Körperverletzungen und Beleidigungen. Brisant ist der Fall wegen seiner politischen Ausrichtung: Dem 22-Jährigen wird vorgeworfen, mit einer Zwille und Glasmurmeln die Fenster von Parteibüros sowie von einem Dönerladen zerschossen zu haben. Teilweise habe er auch Parolen an Häuserfassaden hinterlassen. In seiner Heimatstadt soll er einen Trauerkranz entfernt haben, der vor einer ehemaligen Synagoge lag. Am Schillerdenkmal in Hannover habe er außerdem mehrere Libanesen daran gehindert, eine Protestkundgebung durchzuführen. Ein Grünenpolitiker wirft ihm zudem Körperverletzung vor: Der Pattenser habe ihm eine leere Pfandflaschenkiste gegen den Oberkörper gerammt.

Für den 22-Jährigen ist es nicht der erste Prozess: Er stand bereits vor Gericht, weil er verfassungsfeindliche Zeichen verwendet hatte. Der junge Mann hatte sich SS-Runen auf den Unterarm tätowieren lassen. Auch vor dem Prozessbeginn sieht es schlecht für ihn aus: Die Polizei hat seine Wohnung durchsucht und dabei mehrere Gegenstände gefunden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den vorgeworfenen Taten stehen sollen. mari



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