weather-image
21°

Großeltern in Springe getötet: Täter wartet auf Erbe

SPRINGE. Anfang November 2016 tötete ein damals 25-Jähriger in einem Wohnhaus an der Magdeburger Straße seine Großeltern. Der Mann gilt nach einem Urteil des Landgerichts Hannover als schuldunfähig, sitzt in der Psychiatrie. Doch die Auswirkungen des Falls beschäftigen die Justiz bis heute.

Foto: Archiv
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Denn der Täter wartet weiterhin darauf, von seinen Opfern erben zu können – dem Vernehmen nach geht es um rund 140 000 Euro.

Amtsgerichtssprecher Sascha Klein bestätigte der NDZ auf Anfrage, dass ein entsprechendes Verfahren zur Erteilung eines Erbscheins läuft. Zum Abschluss fehlten aber noch Unterlagen, die der gesetzliche Betreuer des Mannes nachreichen müsse.

Dass der Täter das Geld grundsätzlich erben darf, kann man zumindest aus der aktuellen Rechtssprechung schließen. Das Gesetz schließt zwar aus, dass Täter von ihren getöteten Opfern erben – „Erbunwürdigkeit“ nennt sich das. Allerdings urteilte das Bundesverfassungsgericht erst 2015 sinngemäß, dass diese Regelung bei (gerichtlich festgestellter) Schuldunfähigkeit nicht greife.

Staatsanwaltschaft will Erbe-Anrechnung prüfen

So ganz präsent war dieser Umstand offenbar auch beim Amtsgericht zunächst nicht: Denn dort kontaktierte man eines Tages die Neffen des Großvaters und wies sie an, einen Erbschein zu beantragen. Um kurz darauf die Kehrtwende zu vollziehen und den Erbschein wieder einzuziehen, nachdem der gesetzliche Betreuer des Täters Widerspruch eingelegt hatte. Im Kampf um den verweigerten Erbschein zogen die Neffen vor Gericht – und unterlagen am Oberlandesgericht Celle.

Bei dem Urteil ging es allerdings nur darum, ob das Amtsgericht Springe den Erbschein der Neffen wieder einziehen durfte – nicht, ob der Täter tatsächlich von den Großeltern erben darf. Das müsse, so das Urteil, in einem eigenen Verfahren ausgefochten werden – das es bis heute nicht gibt. Stattdessen erwartet man nun auch bei der Staatsanwaltschaft Hannover die Entscheidung des Amtsgerichts in Sachen Erbschein-Antrag des Täters. Denn dass ein Verurteilter für die Kosten des Verfahrens oder aber seine Unterbringung zur Kasse gebeten werden kann, ist eher selten. Meistens bleibt das ganze am Steuerzahler hängen. Erhalte der Täter in diesem Fall Geld aus dem Erbe der Opfer, „werden wir grundsätzlich prüfen, ob diese Summe mit den Kosten verrechnet werden kann“, sagt Sprecherin Kathrin Söfker.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt