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Graffiti-Ärger in Eldagsen

ELDAGSEN. Was lange währt, wird endlich gut – oder eben auch nicht. In Eldagsen bewahrheitet sich dieses Sprichwort nämlich nicht.

Um diese Schmierereien geht es: Bis Weihnachten sollten diese eigentlich verschwunden sein. Passiert ist bislang nichts. FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Vor etwa einem Jahr hatten Täter politisch motivierte Parolen an Grundstücksmauern gesprüht. In einem sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich einigte man sich außergerichtlich. Das Problem: Die Auflagen, die die Betroffenen in einer Vereinbarung festhielten, wurden bis heute nicht erfüllt.

Gesprüht haben die Täter am 9. oder 10. Februar 2018 – danach entdeckten mehrere Betroffene an ihren Mauern die Sprüche. Umgehend zeigte einer der Anwohner, dessen Name der NDZ bekannt ist, den Vorfall bei der Polizei in Springe an – konkret ging es um Sachbeschädigung, Beleidigung und Verleumdung.

Dort habe man ihn aber erst einmal nach Hause geschickt, erinnert er sich – es habe keinen hinreichenden Anfangsverdacht gegeben. Am nächsten Morgen habe der Eldagser dann eine E-Mail an die Polizei in Springe und Garbsen geschrieben und den Vorfall erneut geschildert. Daraufhin sei der Stein ins Rollen gekommen: Seine Anzeige wurde aufgenommen.

Die gute Nachricht: Die Polizei hat die Täter schnell ermitteln können – und ihnen geraten, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Das hätten sie auch einmal versucht, sagt der Anwohner – als sie aber niemanden antrafen, hätten sie es nicht noch einmal probiert. Die Polizei habe daraufhin versucht, erneut den Kontakt zu den Tätern herzustellen. Dann sei lange Zeit erst einmal nichts passiert.

Die Staatsanwaltschaft habe den Anwohnern dann einen Täter-Opfer-Ausgleich vorgeschlagen – und brachte den Verein „Waage“, ein Zentrum für Mediation und Konfliktschlichtung, ins Spiel. Nach längerer Überlegung habe er sich dazu entschieden, die Idee anzunehmen, schildert der Eldagser: „Das hatte den Vorteil, dass man damit sowohl das Zivilrecht, als auch das Strafrecht auf einmal vom Tisch hat.“

Im Rahmen der Vereinbarung hätten sich die Täter dann dazu verpflichtet, Sozialstunden im ersten Quartal 2019 abzuleisten – und die Graffiti bis spätestens Weihnachten 2018 zu entfernen. Das ist aber bislang nicht geschehen. Sehr zum Ärger der Betroffenen. Ein Lerneffekt für die Täter trete ihrer Meinung nach so nicht ein. Zwar hätten diese sich später im Gespräch bei der Konfliktschlichtung für die Schmierereien aufrichtig entschuldigt – Konsequenzen habe es ja aber nicht für die Täter gegeben: Schließlich hätten sie sich nicht an ihren Teil der Vereinbarung gehalten. „Somit war alles für die Katz“, sagt der Anwohner.

In Kraft getreten ist die Vereinbarung demnach am 1. November vergangenen Jahres. Am 27. November landete dann ein Schreiben der Staatsanwaltschaft im Briefkasten des Eldagsers. Inhalt: Das Verfahren sei eingestellt worden. Und das, bevor die Täter überhaupt die Möglichkeit hatten, den Schaden innerhalb der Frist wieder gutzumachen. Mit dem Hinweis auf die Vereinbarung und die laufende Umsetzung der Forderungen sei der Fall aber nun vom Tisch. Die Staatsanwaltschaft würde nur noch einmal reagieren – wenn es sich um ein öffentliches Anliegen der Allgemeinheit handelt. Das sei es doch aber, findet der Eldagser. Immerhin seien die Graffiti im ganzen Ort sichtbar und seiner Meinung nach politisch motiviert. Der Eldagser hat die „Waage“ später noch einmal angeschrieben. Der Verein habe der Staatsanwaltschaft eine Rückmeldung gegeben, dass die Vereinbarung mit den Tätern nicht eingehalten wurde.

Die Staatsanwaltschaft selbst kann derzeit keine Auskunft zu dem Verfahren geben. Weil gegen die Einstellung des Verfahrens Beschwerde eingelegt wurde, seien die Akten derzeit zur Bearbeitung bei der Generalstaatsanwaltschaft. Eine Sprecherin stellt aber klar, dass ein Verfahren bei Bedarf generell wieder aufgenommen werden könnte. Würden Vereinbarungen nicht erfüllt, sei der Fall neu zu beurteilen.



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