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Dutzende wertvolle Metallgefäße gestohlen / Kripo ermittelt wegen Störung der Totenruhe

Grabschänder plündern Friedhof

Springe. Eine so dreiste Tat haben selbst die erfahrenen Stadtgärtner noch nie erlebt: Diebe haben auf dem Neuen Friedhof in einer vermutlich groß angelegten und geplanten Aktion Dutzende Grabstellen geplündert. Mindestens 50 Familien sind die Leidtragenden.

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Autor:

Markus Richter

Am Mittwochmorgen machte Manfred Schröder die Entdeckung. Als der städtische Mitarbeiter seine Kontrollrunde entlang der Ruhestätten an der Hamelner Straße ging, sah er zunächst ein paar lose herumliegende Blumen und leere Plastikgefäße. „Dem normalen Besucher fällt das auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht auf.“ Doch er und seine Kollegen merkten schnell, dass hier eine ebenso umfangreiche wie perfide Nummer abgezogen wurde: Es fehlen unzählige Vasen und Gefäße, Töpfe und Ornamente, Schmuckstücke und Grablaternen, die Hinterbliebene für ihre verstorbenen Verwandten aufgestellt hatten. „Wir haben gemerkt, dass jemand das Schloss des Eingangstors geknackt hat, um auf das Gelände zu gelangen“, berichtet Schröder.

Für ihn stellt sich die Tat so dar: Vermutlich nachts dringen die Unbekannten durch die Hauptzufahrt ein, möglicherweise fahren sie gar mit einem größeren Auto oder Transporter auf den Friedhof. Sie haben eine Schubkarre dabei. „Ich gehe davon aus, dass das geplant war – und dass sich die Täter vor Ort auskannten“, sagt Friedhofsgärtner Andreas Konstanski. Die Schubkarre wird im Gebüsch zurückgelassen aufgefunden.

Gegen Mittag ist Kriminaloberkommissar Wolfgang Rohrmann vor Ort. Er dokumentiert die Schäden. Auf mindestens 50 Grabstellen fehlt etwas oder wurde etwas zerstört. Die Unbekannten – vielleicht waren es Metalldiebe – haben mit roher Gewalt fest verankerte Gegenstände abgelöst und nur das Wertvollste mitgenommen. Danach stellten sie Plastikschalen wieder an Ort und Stelle, wohl in der Hoffnung, ihre Tat möge lange unentdeckt bleiben. Erst in den kommenden Tagen wird der gesamte Umfang deutlich werden. Die weit über 700 Gräber müssen allesamt kontrolliert werden. Der materielle Schaden wird vorerst auf mindestens 10 000 Euro geschätzt – der ideelle für die Betroffenen ist nicht in Zahlen messbar.

„Wir ermitteln wegen Diebstahls und Störung der Totenruhe“, sagt Rohrmann. Geschädigte werden gebeten, sich direkt bei der Friedhofsverwaltung zu melden – die soll eine Liste zusammentragen. Zeugen bittet Rohrmann, sich im Kommissariat zu melden ( 05041/ 94290). Auffällig ist vor allem die Schubkarre: Sie ist aus Plastik und hat mit Isolierband umwickelte Griffe.

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