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Die NDZ begleitet Springes Friedhofsgärtner

Graben gegen die Gedanken

Alferde/Springe. Der letzte Weg, er führt jeden ins Grab. Und dann sind sie da. Vorher, nachher, immer. Aber sie trösten nicht. Sie halten keine Reden. Dafür graben sie Löcher, pflegen Sträucher, räumen auf. Bei jedem Wetter. Springes Friedhofsgärtner haben einen harten Job – einen, ohne den es nicht geht.

Friedhofsgärtner Mathias Pankoke hebt mit einem Bagger ein Grab auf dem Alferder Friedhof aus. Foto: zett
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Eigentlich will er nicht groß darüber nachdenken. Darüber, dass auch dieses Loch für einen toten Menschen gedacht ist. Nur manchmal – wenn es Kinder sind, wenn es alte Bekannte sind, für die Mathias Pankoke baggert. Dann kann er nicht anders, dann kommen die Gedanken. Auch nach 18 Jahren als Friedhofsgärtner in Springe.

Heute ist der 41-jährige Pankoke in Alferde unterwegs, auf einem der kleinsten Friedhöfe im Stadtgebiet, zusammen mit seinem Kollegen Manfred Schröder (56). Zwei weitere Kollegen ergänzen das feste Team, je nach Bedarf kommt Verstärkung aus dem Team des Betriebshofs.

Die Arbeit ist oft wenig friedhofstypisch, erinnert mehr an Tätigkeiten in einem Park: Sträucher schneiden, Wege säubern, Müll sammeln. Der Müll, das ist noch so eine Sache für Pankoke und Schröder. Respekt vor den Friedhöfen, vor den Toten, den vermissen sie manchmal, wenn sie rund um die Gräber Windeln aufsammeln müssen, Konservendosen, Essensreste, sogar mal eine Mikrowelle. Oder wenn wieder jemand einen Grabstein beschmiert, Bänke zerstört hat.

Aber dann kommt wieder der nächste Anruf, der nächste Termin. Grabtyp, Gestaltung, Ablauf – die Friedhofsgärtner bekommen erst mal ihren Auftragszettel. Und machen sich dann ans Graben. Und das ist schon fast eine Wissenschaft für sich – auch dank der UVV, der Unfallverhütungsvorschriften. „Deswegen warten wir möglichst lange mit dem Ausheben“, erklärt der städtische Gärtnermeister Helmut Schorsch, der Pankoke und Schröder heute begleitet. Denn ein offenes Grab lockt zum Näherkommen, zum Schauen – „die Leute sind neugierig“, sagt Schorsch. Wie aufs Stichwort kommt ein älterer Herr vorbei. Schaut, stutzt, steht. „Wer ist denn gestorben?“, ruft er hinüber. Ja, die Leute sind eindeutig neugierig.

Und deshalb sind die Friedhofsgärtner auch noch da, wenn das Grab schließlich hergerichtet ist und die Bestattung stattfindet. Dann halten sie sich dezent im Hintergrund – aber aufpassen müssen sie trotzdem, sicher ist sicher. Wenn die Angehörigen und Freunde weg sind, wird das Grab verschlossen. Und auch nicht mehr geöffnet.

Eigentlich.

Denn ganz selten ist die letzte Ruhestätte eben doch nicht die letzte. „Zwei oder drei Mal“ hat Pankoke in all den Jahren eine Umbettung mitgemacht, sagt er. Einmal wollte eine Familie ihren toten Angehörigen aus Springe nach Bayern mitnehmen, wegen eines Umzugs. Stadtverwaltung und Gesundheitsamt müssen so einen Schritt genehmigen – und innerhalb Springes ist er bei Sargbestattungen gar nicht erlaubt, Stichwort Totenruhe.

Die ist wichtig – und wird manchmal doch unterbrochen, durch Lärm. Dann rücken die Friedhofsgärtner mit Presslufthammer und Kompressor an, weil der Winter den Boden hart gefroren hat und gleich noch eine dicke Schicht Eis und Schnee mitgebracht hat. Aber das Wetter hält nicht auf, auch wenn es mal mehrere Stunden statt 90 Minuten dauert, bis das Grab fertig ist. „Wir haben bisher noch keine Beerdigung absagen müssen, egal wie schlimm das Wetter war“, sagt Gärtnermeister Schorsch und in seiner Stimme klingt ein bisschen Stolz mit.

Pankoke zieht die Schultern hoch. Die Arbeit geht weiter für ihn und seinen Kollegen, das Grab in Alferde soll fertig werden. Schröder greift zum Zollstock. 1,70 Meter tief muss das Loch für den Sarg werden. Egal, wer rein kommt.



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