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Gottlieb Wendehals feiert im Waldbad Altenhagen

ALTENHAGEN I. „Das ist so eine geile Veranstaltung. Warum nehmt Ihr denn da keinen Eintritt?“ Etwas ungläubig hinterfragt Werner Böhm das Konzept des Pfingstwiesenfestes im Waldbad. „So 3 Euro, die würde doch jeder hier bezahlen“, ist der Mann überzeugt, der als Gottlieb Wendehals mit „Polonäse Blankenese“ zum Star wurde.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Böhm bittet Klaus Meyer, den Chef des Waldbadvereins, neben ihn vor die Bühne auf dem Freibadgelände zu kommen und das mal zu erklären. „Tradition!“, begründet Meyer. Beim Pfingstwiesenfest habe schon immer jeder ohne Eintrittskarte dabei sein können. Daran werde nicht gerüttelt, auch wenn die Veranstaltung in diesem Jahr einen Promi-Faktor hat.

Mit geschätzt 400 Gästen erlebt das Fest einen Besucherrekord. Im Vorjahr waren Meyer und sein großes Helferteam schon mit 250 Anwesenden überglücklich. Der Auftritt von Wendehals lockt nun nicht nur Altenhägener an. Insgesamt sieben Mal greift Böhm zum Mikro, dreimal singt er seine „Polonäse Blankenese“. Dazu kommen sein vor knapp 40 Jahren veröffentlichter Hit „Herbert“ und ein schlüpfriges Stück über „Monica Lewinsky“.

Der 78-Jährige ist zwar auf dem abschüssigen Freibadgelände nicht ganz sicher auf den Beinen und macht keinen Hehl daraus, dass er am liebsten immer ein volles Glas Bier in der Hand hält, besser könnte die Stimmung mitten am Nachmittag aber kaum sein. Um kurz vor 16 Uhr zieht die erste Polonaise über die Wiese, um 17.20 Uhr schunkelt die Masse zu „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“.

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Zahlreiche Besucher nutzen die Pause, um sich ein Autogramm von dem Altstar geben zu lassen oder mit ihm für ein Foto zu posieren. Schon auf der Bahnfahrt von Hamburg zum Deister sei er von etlichen Reisenden erkannt worden, erzählt Böhm, dessen Koffer genauso schwarz-weiß kariert ist wie sein legendäres Bühnensakko. Die Stunden vor dem Auftritt verbringt er auf einem der Außenplätze vor dem „Heinrich III“ auf dem Springer Marktplatz in der Sonne. Fast so schön wie an der Alster ist es da.

Seinen Auftritt im Waldbad nutzt er, um den Machern der Veranstaltung mehrfach ein dickes Lob auszusprechen. Er schickt zwei Frauen mit Hüten durch die Reihen, um Spenden für den Trägerverein zu sammeln: „Und jetzt tut mir einen Gefallen und legt da ordentlich was rein.“ 500 Euro kommen zusammen, was Böhm mit dem Ausruf „Ich liebe Euch“ garniert.

Am liebsten wolle er in diesem Jahr noch einmal wiederkommen, mit einem Kumpel, einem Piano und einem Überraschungsgast. Dass das kein Scherz ist, untermauert er damit, dass er ein Gedicht für seine Gäste in Altenhagen schreibt. Der Kernsatz: „Auch wenn wir jetzt auseinandergehen, irgendwann wird man sich wiederseh’n.“

Für „Heinrich III“-Wirt Stefan Maus, der den Kontakt zu seinem Freund Böhm hergestellt und sich mit dem Waldbad-Verein die Gage geteilt hat, gibt es etliche Umarmungen. Auch „Der Folker“ aus Bad Münder, der zusammen mit einem Kollegen für die weitere Musik beim Pfingstwiesenfest zuständig ist, wird von Böhm geherzt.

„Am liebsten nähm’ ich Euch alle mit“, meint Böhm durchs Mikro, bevor er sich wieder an eine der Bierzeltgarnituren in der Menge setzt. Und irgendwie mag man ihm wirklich abnehmen, dass auch er gerade einen schönen Nachmittag hat.



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