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Geistliche wuppen ab Heiligabend ein großes Programm

WÜLFINGHAUSEN/HOLTENSEN/SPRINGE. So mancher Geistliche wird spätestens an Heiligabend zum wahren Geschäftsreisenden in Sachen Weihnachten. Anselm Stuckenberg ist einer von ihnen, der Klosterdorf-Pastor reist von Ort zu Ort. Von einer vollen Kirche zur nächsten.

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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

„Wir kennen das gar nicht anders“, sagt er.

Immerhin ist seine Frau ebenfalls Pastorin und der Mission, die Frohe Botschaft zu verkünden, genauso verpflichtet wie er. Als die Kinder klein waren, kamen sie eben mit. Der Effekt, einem Schauspieler gleich nach etlichen Weihnachtsgottesdiensten an Präsenz zu verlieren, bleibe trotzdem aus. „Jede Gemeinde ist auf ihre Art besonders und die Leute sind froh und dankbar für diese Weihnachtsgottesdienste“, sagt Stuckenberg. Er freue sich schon darauf, wie die Kinder in Holtensen beim Krippenspiel zur Hochform auflaufen und auf die Christvesper in Gestorf mit Musik auf dem Kirchplatz.

Die Pastoren haben so ihre Kniffe, Weihnachten auch für sich immer wieder neu zu
erfinden. „Ich lege alles in diesen Heiligabend und beschäftige mich Wochen im Voraus mit der Predigt“, sagt Pastorin Bettina Bartke von der St.-Petrus-Gemeinde in Springe. Paradoxerweise hilft ihr dabei eine lieb gewonnene Gewohnheit: „Ich bin Eltern und Kindern so dankbar dafür, dass sie das Krippenspiel möglich machen; denn mit dem Schauspiel erleben die Kinder Weihnachten unglaublich intensiv“, freut sie sich. „Die Geschichten, die wir als Kirche zu erzählen haben, stärken uns, geben Resilienz, darum lohnt es sich sie immer wieder aufs neue vorzutragen“, ist sie überzeugt.

Und greift einen weiteren Aspekt auf: Die vielen Menschen, die nur zu besonderen Feiertagen in die Kirche kommen. „Ich bin froh, wenn sie wenigstens dann da sind“, sagt sie. „Die Leute wissen, dass wir da sind, und nehmen es gerne mit, dass wir für sie mitbeten.“ Im Übrigen lebe die Kirche auch von Beiträgen der Mitglieder, die nicht vor Ort seien. Mit Gedanken an das Krippenspiel lenkt auch Bartke ihre Aufmerksamkeit mal auf die Hirten, mal auf andere Protagonisten. „Dieses Jahr geht es einfach darum, die Stille zu genießen; einfach nur sein, ohne irgendetwas leisten zu müssen“, versetzt sie sich in den „holden Knaben im lockigen Haar“, der in der stillen, Heiligen Nacht in der Krippe liegend gemütlich schläft.

Ganz so gemütlich dürften die Weihnachtsfeste im Hause Bartke nur manchmal verlaufen sein. „Bescherung in einer Stunde, das haben wir immer wieder hingekriegt“, blickt sie zurück. Jetzt kämen die Kinder immer noch mit, während sie im Dienst ist. „Ich hätte auch Entzugserscheinungen, wenn ich Weihnachten weniger in der Kirche wäre.“ In ein Loch falle sie nach den Feiertagen. „Da kommt dann eine Leere auf, aus der heraus ich mir wieder neue Ziele setze.“

Pastor Klaus Fröhlich von der St.-Andreas-Gemeinde ist froh, das Weihnachtsfest gemeinsam mit vielen Kollegen zu stemmen. Ihm ist es nicht nur von Berufs wegen heilig. „Ich lasse mich anstecken von diesem besonderen Geist“, sagt er. Mit Lästereien über „U-Boot-Christen“, die nur zu diesen Gelegenheiten auftauchen, kann auch er nichts anfangen. „Ich liebe Weihnachten und falle abends nach der Christmette und einem Glas Wein redlich müde ins Bett.“

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