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"Fürchterlich, was da passiert ist"

ELDAGSEN. Es ist ein Menschen-Magnet von der Sorte, auf die die Eldagser wohl am liebsten verzichtet hätten: Den ganzen Tag über finden sich die Menschen ein am Betriebsgelände von Regiobus. Stunden zuvor haben hier Feuerwehrleute gegen die Flammen gekämpft.

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VON B. HERRMANN, S. HERMES, R. MISCHER UND S. HELMBRECHT

ELDAGSEN. Es ist ein Menschen-Magnet von der Sorte, auf die die Eldagser wohl am liebsten verzichtet hätten: Den ganzen Tag über finden sich gestern die Menschen ein am Betriebsgelände von Regiobus. Unterhalten sich, schießen Fotos. Autos fahren vorbei. Stunden zuvor haben hier 120 Feuerwehrleute gegen die Flammen gekämpft. Schon wieder ein Großfeuer. Schon wieder Regiobus.

Zwölf der 66 dort abgestellten Busse sind verbrannt, auf drei Millionen Euro schätzt das Unternehmen den Schaden. Ein 45-jähriger Busfahrer, der am Morgen als erster zum Dienst kam, konnte noch fünf Linienbusse vom Parkplatz wegfahren. Beim Eintreffen der Feuerwehr Eldagsen standen laut Stadtfeuerwehrsprecher Stefan Quentin alle auf der Westseite des Geländes abgestellten 12 Linienbusse in Flammen.

Einsatzleiter Thorsten Hoppmann ließ zwei etwa 800 Meter lange Schlauchleitungen zum Gehlenbach in Höhe der Straße Am Pfingstanger verlegen, um dort das Wasser zum Brandort zu pumpen. Auch aus Hydranten und einer Zisterne holten die Einsatzkräfte Wasser. Mit zwei Strahlrohren wurden die auf der Ostseite stehenden Busse benetzt und gekühlt. Damit konnte ein Ausbreiten des Brandes auf eine benachbarte Elektronikfirma südlich des Parkplatzes sowie auf das andere Dutzend Busse verhindert werden.

Das Feuer war gegen 5 Uhr gelöscht. Auflodernde Brandnester in den Wracks wurden noch etwa eine weitere Stunde abgelöscht. In der Umgebungsluft konnte die Feuerwehr keine erhöhte Konzentration von Schadstoffen messen.

Aus den zerstörten Kraftstofftanks floss allerdings Diesel zusammen mit Löschwasser bis auf die Fahrbahn. Der Bauhof der Stadt Springe rückte mit einem Wagen an, um die Abwasserkanäle zu spülen. Ein Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde der Region Hannover begutachtete den Umweltschaden.

Zur Begutachtung war am Morgen auch Bürgermeister Christian Springfeld nach Eldagsen gekommen. Sein erster Gedanke: „Gut, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.“ Der Bürgermeister lobte ausdrücklich die Arbeit der ehrenamtlichen Brandbekämpfer: „Durch ihre professionelle Arbeit haben sie eine Ausbreitung des Feuers verhindert“, ist Springfeld überzeugt.

An einen Zufall, der zu einem erneuten Brand bei Regiobus geführt haben könnte, mag der Rathauschef indes nicht so recht glauben, will aber der Ermittlungsarbeit der Polizei nicht vorgreifen. Dass sich der abermalige Brand negativ auf den Standort der Stadt Eldagsen als Regiobus-Stützpunkt auswirken könnte, kann sich Springfeld nicht vorstellen. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Projektentwicklern von Regiobus; ein Standortwechsel steht nicht zur Debatte.“

Das bestätigte gestern auch Regiobus-Chef Georg Martensen: „Die Vorbereitungen zum Wiederaufbau am Standort Eldagsen werden davon nicht beeinträchtigt“, hält Martensen fest (siehe auch Interview unten).

Sorgen über den Standort machte sich gestern zunächst. auch Ortsbürgermeister Ralf Burmeister. Er verfolgte das Feuer noch in der Nacht – und zeigte sich erschreckt über das Ausmaß: „Es ist fürchterlich, was da passiert ist.“Vor allen Dingen habe er Angst, dass Regiobus die Zusage zum Wiederaufbau des Standortes zurücknehme. „Das würde nicht nur Eldagsen, sondern ganz Springe betreffen und über 100 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren würden“, befürchtet Burmeister.

Seit der vergangenen Nacht sei er im ständigen Austausch mit dem Betriebsleiter von Regiobus. „Das passiert nicht einfach so, dass zwölf Busse brennen. Ich befürchte, dass es Brandstiftung war“, so seine Einschätzung.

Die Polizei ermittelte gestern bis in frühen Abend hinein. Sie sucht dringend Zeugen. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst der Polizei unter 0511/1095555 entgegen.

Wie geht es weiter im Linienverkehr? Und warum war der Parkplatz nicht videoüberwacht? Regiobus-Sprecherin Anna Kämmerling nimmt Stellung im NDZ-Interview zum Großbrand.

Welche Auswirkungen hat das Feuer? Aktueller Stand ist ja, dass der Linienverkehr vorerst so weitergeführt werden kann.

Ziel ist es, dass der Brand den Regelfahrplan und den Kundenservice nicht beeinträchtigt. Für heute und die kommenden Wochen konnten wir den Linienverkehr bereits sichern. Zudem starten die Planungen für den Schulverkehr, der wieder am 4. August beginnt, sodass wir auch diesen ohne Einschränkungen durchführen können.

Wie kann man das erreichen?

Momentan ist es vor allem wichtig, alle Fahrten für die Kunden sicherzustellen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass zur Unterstützung sechs Fahrzeuge von anderen Betriebshöfen aus Neustadt, Wunstorf und Burgdorf nach Eldagsen verlagert wurden Außerdem konnte ein Bus vom Hersteller Mercedes geliehen werden. Mit diesem Kontingent ist es nun möglich, den regulären Bedarf des Linienverkehrs in der südlichen Region zu decken.

Hat der Brand jetzt Konsequenzen für den Bau der neuen Halle auf dem Betriebshof?

Nein, die Vorbereitungen für den Neubau laufen planmäßig weiter.

Warum gibt es in dem Teil des Betriebshofs keine Kameraüberwachung?

Es handelt sich bei der Fläche, auf der das Feuer ausgebrochen ist, nicht unmittelbar um Betriebsgelände, sondern um eine Abstellfläche. Das Betriebsgelände selbst wird videoüberwacht.

Inwieweit glaubt das Unternehmen nach all den Vorffällen dieses Mal an Zufall – Stichwort: Brandstiftung?

Wir spekulieren nicht.

Gibt es intern Überlegungen, wer etwas gegen das Unternehmen haben könnte?

Nein.

Die Chronik: Bereits vor eineinhalb Jahren war es zu Weihnachten in dem Busdepot in Eldagsen zu einem verheerenden Feuer mit einem Schaden von rund zehn Millionen Euro gekommen. Damals waren 25 Busse und eine Halle ausgebrannt. Der Schaden wurde auf etwa zehn Millionen Euro geschätzt. Ob es sich um Brandstiftung oder einen technischen Defekt handelte, konnten die Ermittler seinerzeit nicht feststellen, weil die Zerstörung zu massiv war. Im Herbst vergangenen Jahres hatte es dann ein weiteres, kleineres Feuer an zwei Rolltoren gegeben. Hier waren die Ermittler schnell sicher: Es war Brandstiftung. Der oder die Täter konnten von der Polizei allerdings bis heute nicht ausfindig gemacht werden.

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