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Kitas in der Kopierfalle: Wie die unklare Rechtslage Springer Kinder letztendlich vom Singen abhält

Für „O Tannenbaum“ zahlen – oder schweigen

Springe (zett). 30 Mal „O Tannenbaum“ – kostet 56 Euro. Zumindest theoretisch. Denn momentan dürfen die meisten Springer Kindertagesstätten Noten und Liedtexte gar nicht kopieren, es fehlt ein entsprechender Vertrag mit der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte – kurz Gema. Die Folge: „Unsere Kitas haben bis auf Weiteres ein Abdruck-, Kopier- und Aufführungsverbot“, erklärt Nadine Heese, Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes, das in Springe und den Ortsteilen neun Tagesstätten betreibt.

„Singen verboten“ heißt es vorerst auch für die Mädc

Das Gesetz kennt in dieser Hinsicht keine Gnade: Das Urheberrecht verbietet das Kopieren von musikalischen Werken. Kindergärten dürfen zum Beispiel nicht einfach Texte und Noten aus Liederheften für Kinder und Eltern vervielfältigen.

Eltern müssen sich selbst kümmern

Es sei denn, sie zahlen Lizenzgelder – eine Möglichkeit, die es noch nicht lange gibt. Zuständig für das Eintreiben der Gebühren ist eigentlich die „VG Musikedition“. Doch sie übertrug diese Aufgabe schon vor einigen Monaten an die Gema, die bislang zum Beispiel verschiedene Springer Weihnachtsmarktbetreiber zur Kasse bat. Seitdem warten die Kindertagesstätten und mit ihnen ihre Träger auf eine Lösung, verhandeln mit der Gema: „Es steht bald noch einmal ein Termin an, bei dem wir über den Rahmenvertrag für alle unsere Einrichtungen sprechen“, so DRK-Sprecherin Heese.

An so einer Regelung arbeitet momentan auch der evangelische Kirchenkreis Laatzen-Springe. Über seine Gemeinden vor Ort als Träger ist er für verschiedene Kitas in Springe zuständig – etwa für die Kita St. Petrus oder den Waldkindergarten St. Andreas. „Wir sind jetzt dabei, das Ganze einheitlich zu gestalten“, erklärt Birgit Kruse, die beim Kirchenkreis für die Kindergärten zuständig ist. Bislang habe jede Kita das Problem für sich selbst vor Ort gelöst.

Zum Beispiel die Einrichtung der St.-Vincenz-Gemeinde in Altenhagen I. Leiterin Martina Greth: Wir kopieren grundsätzlich gar nichts. Mit diesem Thema muss man ganz vorsichtig umgehen.“ Damit die Kinder dort trotzdem gemeinsam singen können, hat die Kita auf ihrer eigenen Homepage eine Liste veröffentlicht. Darauf stehen alle Lieder, die in der Einrichtung gesungen werden: 68 Titel, dazu kommen 21 Fingerspiele: „Da müssen die Eltern schauen, wie sie dann jeweils an die Texte kommen“, erklärt Greth.

Für die städtischen Schulen drückt übrigens die Verwaltung als Träger die Gebühren ab. Für Gema- und GEZ-Gebühren etwa fallen am Otto-Hahn-Gymnasium 300 Euro pro Jahr an. So eine pauschale Regelung wünschen sich jetzt auch die heimischen Kindergärten. DRK-Sprecherin Heese hofft auf einen Vertragsabschluss mit der Gema noch in diesem Jahr: „Wir hoffen, dass wir das noch vor Weihnachten regeln können.“ Denn so ein Fest ganz ohne „O Tannenbaum“ macht eben nur halb so viel Spaß.



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