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Warum Anita Herrmann mit 74 Jahren die Seepferdchen-Prüfung abgelegt hat

„Für mich war das eine Gaudi“

Altenhagen I. Es ist einer dieser Sommertage im Waldbad in Altenhagen I. Badeaufsicht Dorothee Schaper steht am Beckenrand; sie beobachtet einen Jungen, der sich an der Seepferdchen-Prüfung versucht. In der Nähe steht Stammgast und Frühschwimmerin Anita Herrmann. Die 74-Jährige schaut zu, kommt mit Schaper ins Gespräch: „Und dann hat sie gesagt, dass sie weder Freischwimmer noch Seepferdchen hat“, erinnert sich die Schwimmaufsicht.

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Autor:

VOn Christian Zett

Schaper zögert nicht lang: „Ich habe ihr gesagt, sie muss es zweimal ums Becken schaffen, dann hat sie es schon fast“ 25 Meter schwimmen, nach einem Ring tauchen, Baderegeln kennen: Für eine erfahrene Schwimmerin wie Hermann ist das ein Klacks. Nach wenigen Minuten hat sie die Prüfung bestanden. Und ihr Seepferdchen-Abzeichen in der Hand.

Warum hat es so lange gedauert? Die 74-jährige lacht, zuckt mit den Schultern: „Das war früher einfach nicht so üblich“, sagt sie. Herrmann ist in Altenhagen I geboren, war quasi ein Waldbad-Gast der ersten Stunde. Dass sie sich jetzt trotzdem noch einmal zur Prüfung durchgerungen hat? „Für mich war das eine Gaudi“ sagt sie – ein Spaß, den sie und ihre kleine Frühschwimmer-Gruppe sich gegönnt haben. Die Damen verschiedenen Alters treffen sich während der Saison fast täglich gegen 10 Uhr, um gemeinsam zu schwimmen, zu klönen – und ihrem Waldbad die Treue zu halten.

Schaper sitzt jetzt in ihrer Frühschwimmer-Runde, eine Tasse frischen Kaffee vor sich, den Blick auf das Becken des Waldbads. Zehn Kindern pro Jahr nimmt sie die Seepferdchen-Prüfung ab; manche schickt sie ins Hallenbad nach Springe: „Da ist das Wasser wärmer.“ Bange um den Nachwuchs ist der Badeaufsicht nicht: „Hier auf dem Land“, sagt Schaper, „können die meisten Kinder schwimmen. In der Stadt ist das anders.“

Trotzdem soll für den Nachwuchs nicht Schluss sein beim Seepferdchen, sagt Schaper. Bei ihr gilt: Nur wer das Bronze-Abzeichen erringt – vergleichbar mit dem Freischwimmer – darf im Waldbad auch ins Tiefe. Sie hat beobachtet, dass viele Eltern nach dem Seepferdchen nicht mehr mit ihren Kindern üben.

Wer sein Schwimmzeugnis im Waldbad macht, wird aber auch noch einer anderen Prüfung unterzogen: „Ich schmeiße meine Seepferdchen immer noch mal ins Wasser“, sagt Schaper. So sollen sie sich in einer hektischen Situation beweisen: „So etwas kann ja immer passieren – auch ohne Absicht.“

Bei Anita Herrmann hat sie auf diese Variante verzichtet. Beide schmunzeln. Dass sie sich auch noch ans Bronze-Abzeichen wagt, bezweifelt sie. Die 74-Jährige ist, schiebt Schaper hinterher, ohnehin schon weiter als mancher vermeintliche Experte: Der erste Schwimmmeister des Waldbads in den 1930er-Jahren, „der konnte gar nicht schwimmen“.

Vorübergehend geschlossen: Schlechte Nachricht ausgerechnet bei bestem Schwimmwetter: Gestern im Laufe des Tages musste das gesamte Wasser aus dem Becken im Waldbad gelassen werden. Grund war starke Algenbildung aufgrund der hohen Temperaturen. „Das ist natürlich Pech, aber wir haben keine Umwälzanlage“, bedauert Vereinschef Friedhelm Lüdersen. Geschwommen werden kann erst wieder ab Sonnabend.



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