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Fünfhausenstraße: Seniorin von den Gleisen gerettet

Dramatische Minuten am Bahnübergang: Eine 77-Jährige verliert am Bahnübergang die Orientierung, biegt falsch ab und landet im Gleisbett. Sechs Minuten später fährt planmäßig ein Zug. Eine Rettungsaktion beginnt.

Auf diesem Gleis landete das Auto der 77-Jährigen. Es führt in Richtung Bahnhof. FOTO: MISCHER
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Als sie Stunden später zuhause sitzt, da ist das Adrenalin noch nicht ganz weg. „Ich brauchte erst mal einen Schnaps“, sagt Tina Rode heute und lacht. Am Dienstagabend hatte die Springerin zusammen mit weiteren Helfern ein Unglück verhindert: Am Bahnübergang Fünfhausenstraße war eine 77-Jährige falsch abgebogen und mit ihrem VW Golf auf den Schienen gelandet. Rode führte zuerst die Seniorin in Sicherheit und fuhr danach den Wagen von den Gleisen.

Die Szene, die hat sie auch heute noch vor Augen: Es ist etwa 19.20 Uhr, als Rode mit einer Freundin über den Bahnübergang in Richtung Innenstadt fährt. Da sieht sie das Auto, das zehn, 15 Meter weg vom Bahnübergang schräg auf dem Gleis nach Hannover steht. Neben dem Golf ein junger Mann. „Ich habe noch gedacht: ‚Was machen die denn?‘“, erinnert sich Rode.

Die Springerin hält direkt hinter dem Bahnübergang an, rennt auf die Gleise: „Ich hatte nur im Kopf: Um 26 und um 33 fahren die Züge.“ Sie bittet Umstehende, Polizei und Bahn zu alarmieren, ruft dann dem Mann und der Seniorin zu: „Ihr müsst hier schnell weg, ihr müsst hier runter, der Zug kommt!“

Die 77-Jährige führt Rode schließlich selbst am Arm in Richtung Schranken, die sich zunächst gesenkt hätten. Mehrere Helfer schaffen es, die Schlagbäume so zu verschieben, dass die Drei noch von den Gleisen gelangen. Aber was ist mit dem Auto?

Einer der Augenzeugen ruft Rode zu, die Züge würden nach der Alarmierung durch die Polizei langsamer fahren. Trotzdem ist da noch dieses Hindernis. Als sich die Schranken kurz darauf wieder heben, läuft Rode zusammen mit vier Männern wieder auf die Gleise, steigt in den Golf. Der steckt erst mal fest. Erst als die starken Helfer schieben, bewegt sich das Fahrzeug und Rode kann es über die Schienen zurücksteuern.

Dort kümmert sich die inzwischen eingetroffene Polizei um die 77-Jährige. Die war, so sagen es Zeugen aus, von der Jägerallee kommend über den Bahnübergang gefahren und wollte eigentlich in Richtung Bahnhofstraße weiterfahren.

Doch dann verlor sie die Orientierung – und landete schließlich auf dem Gleis, das in Richtung Bahnhof führt. Die nicht ortskundige Seniorin aus Isernhagen müsse sich nun einem Fahrtüchtigkeitstest unterziehen, so die Polizei heute.

Laut Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst sind die Schranken wieder aufgegangen und aufgeblieben, weil der Bahnübergang technisch stets überwacht wird. Solange das Hindernis auf den Gleisen registriert worden sei, habe daher auch kein Zug fahren können: „Erst nachdem das Auto wieder entfernt wurde, wurde der Anlage gemeldet, dass das Gleis wieder frei ist“, so Brunkhorst.

Die Polizei musste während des Einsatzes noch einen Verkehrssünder disziplinieren: Als der Einsatzwagen mit Blaulicht und Martinshorn anrückte, wurde er unmittelbar vor den Bahnschienen von einem PKW überholt, der dann auch noch den Übergang passierte. Der Mann konnte von den Beamten gestoppt werden. Ihm wurde der Führerschein vorerst entzogen und er muss ein „empfindliches Bußgeld“ zahlen, teilt die Polizei mit.

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