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Frust an der Schranke: Autofahrer in Springe sind genervt

SPRINGE. „Perfekter Sturm“ nennt es der Amerikaner, wenn diverse Bedingungen gemeinsam eine Situation besonders schlimm machen. Ein solcher Sturm hat, im übertragenen Sinne, momentan die Springer im Griff.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Eine Kombination aus Baustellen vor Ort und in weiter Ferne sorgt für monatelange Belastungen für Autofahrer, aber auch für S-Bahn-Pendler und Anwohner. Da ist zunächst die Sanierung der Altbaustrecke Hannover-Göttingen, auf der normalerweise neben Nahverkehrszügen über Nordstemmen und Elze auch Güterzüge rollen. Diese wiederum werden stattdessen großflächig umgeleitet – eben auch über Springe und Hameln. Und zwar nicht zu knapp: Nach Angaben der Bahn rollen momentan dienstags bis freitags täglich 120 Güterzüge durch die Stadt – normalerweise sind es 40.

Bedeutet auch: Die Schranken entlang der Strecke senken und heben sich deutlich häufiger als sonst – mindestens zweimal pro Stunde, schätzt die Bahn, kommt zum normalen Programm dazu. Für Autofahrer ist schwer einzuschätzen, wann genau die Güterzüge kommen – diese verkehren „nicht ganz so planmäßig“, räumt auch die Bahn ein.

Dazu kommt: Weil sich Güterzüge und S-Bahn eben zwei Gleise teilen, kommt es noch häufiger als sonst zu langen Schließzeiten. Soll heißen: Die Schranken bleiben zu, während mehrere Züge hintereinander rollen – manchmal kann das deutlich länger als zehn Minuten dauern. Oder: Die Schranken gehen in kurzen Abständen auf und zu. Beispiel: Dienstagabend, 19.24 Uhr, Fünfhausenstraße: Die Schranken gehen für die 19.26-Uhr-S-Bahn in Richtung Hameln runter. Die verspätet sich – und danach bleiben die Schranken für die 19.33-Uhr-Bahn nach Hannover unten. Danach geht es kurz hoch, zwei Autos kommen herüber – und dann ist der nächste Güterzug da. Das Spiel wiederholt sich direkt noch einmal.

Erleichterung verschafft den geplagten Autofahrern zweierlei. Erstens: Die Unterführung Osttangente steht immer als Ausweichpunkt zur Verfügung – allerdings muss man dafür auch einmal auf die andere Seite der Kernstadt, besonders vom Übergang Heinrich-Göbel-Straße aus. Und: Wer einmal in der Schlange steht, kann nicht immer ausweichen oder umdrehen.

Zweitens: Der Ausfall des Bahn-Sprinters, der S 51. Der fährt seit Anfang September nicht mehr – auch wegen Oberleitungs- und Bauarbeiten in Hannover. Und macht so wertvollen Platz auf der belasteten Bahnstrecke frei. Der Ausfall dauert übrigens so lange wie die Güterzug-Umleitung: bis 7. Dezember. Was Autofahrer freut, ärgert Zugpendler: Denn ohne den auch als Entlastungszug gedachten Sprinter wird es zu den Stoßzeiten unter der Woche in manch einer S-Bahn sehr voll: Auch wenn hier zusätzliche Wagen im Einsatz sind.

Betroffen von den langen Schranken-Schließzeiten ist auch der Busverkehr – zumindest theoretisch: Denn neben den Schulbussen fährt auch die umgeleitete Stadtlinie 301 über die Schranken an der Fünfhausenstraße. Immerhin: Man habe bislang keine „nennenswerten Verspätungen“ verzeichnet, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Bleiben die Anwohner der Bahnstrecke, denen der auch nachts rollende Güterverkehr wenig Spaß bereiten dürfte: Er ist im Gegensatz zu den S-Bahnen deutlich lauter. „Wenn die durchrauschen, klappert bei mir das Geschirr im Schrank“, hat ein Anwohner an die Bahn geschrieben. In seinem Haus hätten sich auch erste Risse gebildet.

Die Stadtwerke, mit ihren Fernwärme-Baustellen zuständig für die Sperrungen von Unterführung, Ellernstraße und Rosenstraße bis zum Frühjahr, können indes keine Erleichterung verkünden: Bei einer Baubesprechung am Donnerstag, so eine Sprecherin, habe man die Idee diskutiert, Ellernstraße und Unterführung im Winter zumindest einspurig zu öffnen – wenn die Arbeiten wetterbedingt ruhen müssen. Ergebnis: „Wir sehen leider keine Möglichkeit.“ Dort lagere Material; die Fahrbahn sei dann ohnehin nicht befahrbar: „Wir hoffen, dass der Winter nicht so hart wird und wir durcharbeiten können.“



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