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Friedrich-Wilhelm Wulf spricht über das römische Marschlager

SPRINGE. Es war eine archäologische Sensation – und von landesgeschichtlicher Bedeutung, das im Jahr 2015 entdeckte, etwa 30 Hektar große, römische Marschlager bei Wilkenburg vor den heutigen Toren Hannovers, das es damals noch gar nicht gab.

Kennt sich mit der Geschichte der Römer aus: Friedrich-Wilhelm Wulf im Museum auf dem Burghof. FOTO: KRAUSE

Autor:

reinhold krause

Es ist das einzige bekannte und zugleich nördlichste nicht überbaute Marschlager in Deutschland, das für rund 20 000 römische Legionäre errichtet wurde.

Doch es vergingen Jahre, ehe sich der erste Hinweis, Luftbildaufnahmen des Luftbildarchäologen Otto Braasch aus dem Jahre 1992, konkretisierte. Die damals durchgeführten Probegrabungen führten zu keinem Ergebnis, weiß der Experte Friedrich-Wilhelm Wulf, Referatsleiter beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalspflege.

Auf Einladung des Fördervereins für die Stadtgeschichte war er jetzt zu Gast im Museum und informierte über den Ablauf und die Lage der Grabungen sowie über Fundstücke und deren Bedeutung. Wulf ist Experte auf dem Gebiet der prähistorischen Archäologie. Sechs Jahre studierte er an der Georg-August-Universität in Göttingen Vor- und Frühgeschichte, Völkerkunde und Klassische Archäologie. Seinen Magister Artium (M.A.) erlangte er mit dem Thema „Die mittelalterliche Wüstung Gardelshausen bei Hedemünden“, die er anhand von Oberflächenfunden 1977 entdeckt hatte. Die Grabenstrukturen ließen aber, außer dem Fund einiger frühgeschichtlicher Scherben, einen Rückschluss auf die Römerzeit nicht zu und man hatte die Fundstelle mit unbekannter Zeitstellung in die archäologischen Karten eingetragen.

2015 hat der ehrenamtliche Luftbildarchäologe Heinz-Dieter Freese seine Luftbilder mit denen von Braasch verglichen. Dabei ist er zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich aufgrund der Kantenlänge und der charakteristisch abgerundeten Ecken um ein römisches Marschlager handeln muss. Damit war der Nachweis erbracht, dass die Römer wesentlich weiter nördlich des Limes gewesen waren, als bekannt. Rund 3500 Buntmetallteile hat man bis heute gefunden, unter den Fundstücken: eine Pinzette aus Messing, Pferdegeschirranhänger und Riemenbeschläge , Appliken in Tierform oder Sandalennägel und 90 Münzen.

Den Archäologen und Mitgliedern der Römer-AG-Leine, die sich für den Erhalt des Geländes einsetzen, stehen Sorgenfalten ins Gesicht. Kiesabbaupläne der Firma Holcim könnten das Areal für immer in einem Kiessee verschwinden lassen. Bevor es soweit ist, bietet der „Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe“ am 4. Mai 2019 eine Fahrt zu der Ausgrabungsstätte, mit Vortrag über Theater- und Schauspielkunst der Römer an. Anmeldung nimmt Rolf Brings unter 05041/61685 entgegen.



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