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Hanf-Plantage in Eldagsen: Nachbarn bemerkten kaum Auffälligkeiten

Freundschaftsdienst mit „Gras“ bezahlt?

Eldagsen. Ein 57-Jähriger soll in seinem Keller in Eldagsen eine riesige Hanf-Plantage betrieben und durch den Drogenverkauf fast 200 000 Euro verdient haben. Am zweiten Verhandlungstag des fünfwöchigen Gerichtsprozesses sagten die Nachbarn des Angeklagten als Zeugen aus. Sie haben von der florierenden Gärtnerei erstaunlich wenig mitbekommen.

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Irgendwann im Jahr 2010 stand der 85-jährige Nachbar des mutmaßlichen Cannabis-Züchters auf einer Leiter, als er sich über die Maschine vor dem Nachbarkeller wunderte. „Ich dachte, die hätten einen Wasserrohrbruch gehabt und bräuchten ein Trocknungsgerät.“ Laut Polizei war die Maschine eine Klimaanlage, die bei der Belüftung des Kellers half.

Die Nachbarschaft sah den Angeklagten, seine Frau, die Tochter und dessen Freund – der die Familie im August 2011 in einer Kurzschlussreaktion verpfiff – nur selten. Eine Frau und ein Ehepaar, die gegenüber von dem Tathaus wohnen, erinnern sich vor allem an einen weißen Transporter, der einmal im Monat vor dem Grundstückstor hielt und Sachen brachte. Die Beschreibungen der unbekannten Männer ähneln sich: dunkelhäutig, schwarze Bärte, einer mit auffällig langen Haaren.

„Einmal haben sie blaue Fässer mit Chemikalien gemacht“, hat ein 37-Jähriger gesehen. Er ist sich sicher: „Die wollten nicht gesehen werden.“ Keiner der Nachbarn hegte einen konkreten Verdacht. Keiner blieb länger am Fenster stehen als nötig, um die Szene in Ruhe beobachten zu können.

Der Beschuldigte schwieg auch am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Unruhig wurde er, als ein 46-jähriger Münderaner davon erzählte, wie er für den Eldagser mal Polsterarbeiten erledigt und als Bezahlung ein Tütchen „Gras“ erhalten habe. Frische Ware, die er erst noch trocknen musste. „Was für ein Blödsinn!“, konterte der Angeklagte. Der Polsterer habe 170 Euro in bar für die Arbeit bekommen. Nach einer Ermahnung seines Anwalts entschied sich der Eldagser, den Wutausbruch sofort zu beenden und wieder die passive Rolle einzunehmen.

Die Verhandlung wird am nächsten Dienstag um 9 Uhr vor dem Schöffengericht in Springe fortgesetzt. Dann soll ein ursprünglich schon für gestern geladener Gutachter über die Güteklasse der Drogen „made in Eldagsen“ Auskunft geben.

Sollte der 57-jährige, untersetzte Rentner, der mittlerweile in Nordstemmen lebt, für schuldig gesprochen werden, droht ihm eine bis zu vierjährige Haftstrafe.

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