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Freimann gegen Feuerwehr-Zusammenlegung

Heinrich Freimann warnt davor, Feuerwehren zu zentralisieren. Im NDZ-Jahresgespräch hat der Ortsbürgermeister auch zu weiteren Dingen Stellung genommen.

Heinrich Freimann in der gefühlten Dorfmitte: Das Dorfgemeinschaftshaus Holtensen beherbergt Kindergarten und Vereine. Foto: Weißling
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

HOLTENSEN. In Holtensen sind alle Wege kurz. Trotzdem aber zieht es Ortsbürgermeister Heinrich Freimann besonders gern ins Dorfgemeinschaftshaus, das gleichzeitig als Kindergarten fungiert. Da, wo andere Begegnungsstätten wie Bäckerei oder Dorfkneipe inzwischen fehlen, hat sich das Gebäude zum klaren Mittelpunkt entwickelt.

Fährt Landwirt Freimann mit seinem Trecker extra langsam daran vorbei, schallen ihm fröhliche Rufe entgegen: „Hallo Ortsbürgermeister“, „hallo Herr Freimann“ oder „Hallo Opa“.

„Das geht runter wie Öl“, sagt er vergnügt mit blitzenden Augen, als die Probe aufs Exempel selbst vor Publikum souverän glückt. Dann scherzt Freimann, dass hier die politische Früherziehung in Holtensen greife. Tatsächlich lernen Kinder, die neu in Boitzum, Holtensen oder Wülfinghausen sind, den CDU-Ortsbürgermeister manchmal kennen, bevor ihre Eltern Gelegenheit dazu haben.

Das könnte daran liegen, dass Freimanns Enkelkind die Kita selbst besucht – aber auch daran, dass der frühere Bundeswehr-Mann hier jede Regenrinne im Blick hat. Dafür, dass jeder Verein an seine Gerätschaften kommt, ohne gleich die halbe Halle umräumen zu müssen, hat der Ortsrat dieses Jahr selbst gesorgt. Aus eigenen Mitteln finanzierte er den Sportgeräteanbau für die in diesem Jahr frisch renovierte Halle mit neuem Vorplatz.

Ob das Ergebnis schön sei, darüber habe es geteilte Meinungen gegeben, sagt Freimann. Und wünscht sich, die Leute würden sich lieber direkt äußern, wenn die Entscheidungen fielen. „Ideen sind immer gut.“ Klare Kante, und klare Positionen, das wisse er zu schätzen.

Kontaktscheu ist der Ortsbürgermeister mitnichten. Wer ein Grundstück in Holtensen, Boitzum oder Wülfinghausen erwirbt, der wird zum Neujahrsempfang geladen, wo alle fürs Dorf relevanten Größen zusammenkommen. Wer macht was im Dorf – das kann einer entweder lange nachblättern „oder in Drei-Minuten-Gesprächen persönlich herausfinden“, begründet er diese Maßnahme. Wer der Einladung folgt, darf sich darauf einstellen, nach vorne gezerrt zu werden. „Ich freue mich ja, dass die Leute ins Dorf kommen“, sagt er knapp.

Der Internetauftritt der Dörfergemeinschaft dagegen vertrage durchaus mal Vernachlässigung. Über die wichtigsten Infrastruktur-Eckdaten wie Lage, Baupreis und Kinderbetreuung würden Menschen, die sich in der Region niederlassen wollen, eher an anderer Stelle informieren, ist Freimann überzeugt. Dass andere Springer Ortschaften mit ähnlichen Angeboten nachziehen, lässt Freimann schmunzeln.

So wortkarg der CDU-Mann ist, so gerne setzt er pragmatisch allen voran Ideen um, die ihm zwischendurch einfallen.

2017 war aus Freimanns Sicht ein gutes Jahr. Erbost allerdings ist er, wenn es um die Neuaufstellung der Feuerwehren mit ihren Gerätehäusern geht. „Keinen Bauplatz zu haben ist das eine, der Umgang miteinander das andere“, holt er aus. Ehrenamtliche in Ortsfeuerwehren müssten nach Kräften unterstützt werden. „Ich bin der Überzeugung, dass es schief geht, Ortsfeuerwehren zu schließen und zentral zusammenzufassen.“ Erstens weil sich dann weniger Menschen engagierten, zweitens weil im Brandfall wertvolle Zeit verloren gehe. Und drittens weil die im Ort verankerten Wehren genau wüssten, wo die Hydranten stehen. Für ihn ein Thema, das auf der Agenda 2018 weit oben ist. Für den DRK-Ortsverein Holtensen-Boitzum-Alferde dagegen ist tatsächlich Schluss. Weil sich kein neuer Vorsitzender fand, löste der Verein sich auf – zu Freimanns großem Bedauern.

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