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Frauenhaus in Springe: „Der Bedarf steht außer Frage“

SPRINGE. Die Pläne der Region, das Angebotsnetz für Frauen zu erweitern, stößt bei Springes Gleichstellungsbeauftragter Lena Rödiger auf Zustimmung.

Der Bedarf in Springe für ein größeres Angebot sei da, sagt Gleichstellungsbeauftragte Lena Rödiger. FOTO: ARCHIV/HELMBRECHT
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Vor allem die Beratungssituation in Springe bereitet ihr Sorgen: „Ich muss von hier Frauen nach Ronnenberg schicken – dabei ist die Beratungsstelle dort auch in städtischer Trägerschaft.“ Die Regionspolitik hatte Ende 2018 den Ausbau von Frauenhäusern und Hilfsangeboten für wohnungslose Frauen beschlossen.

Aktuell bieten die drei Frauenhäuser in der Region Hannover mit insgesamt 51 Familienplätzen von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern Schutz. Auf den gestiegenen Bedarf und längere Aufenthaltszeiten wegen fehlender geeigneter Wohnungen will die Region mit Investitionen reagieren: In diesem Jahr sollen 1,2 Millionen Euro fließen, ab 2020 jedes Jahr mindestens 1,7 Millionen Euro. Ziel: Die Anzahl der Plätze müsse laut Region mehr als verdoppelt werden, um den rechnerischen Bedarf von Frauen in Gewaltnotfällen zu decken. Mehrere große Bausteine umfasst das Konzept der Region: So soll eine neue Notaufnahmestelle für Frauen und ihre Kinder – das „Frauenhaus 24“ – etabliert werden, die täglich rund um die Uhr erreichbar ist. Außerdem ist geplant, ein weiteres Frauenhaus vorzugsweise im Umland von Hannover einzurichten.

Die Istanbul-Konvention, also das Übereinkommen des Europarates zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, die Anfang des Jahres auch in Deutschland in Kraft getreten ist, empfiehlt mit einem Familienplatz pro 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu planen. Für die Region mit 1,17 Millionen Menschen ergeben sich damit 117 Familienplätze – 66 mehr, als es momentan gibt.

Für die Umsetzung des Konzepts zur Weiterentwicklung der Hilfen für Frauen in Wohnungsnotfällen sind zunächst 816 000 Euro für die nächsten drei Jahre veranschlagt. Nach wie vor gebe es keine verlässlichen Angaben über die Anzahl wohnungsloser Frauen in der Region, heißt es. Eine bestehende Beratungsstelle (Name: „Szenia“) soll nun mehr Personal bekommen. Außerdem sollen Angebote für begleitete Formen des Übergangswohnens geschaffen und ausgebaut werden. Rödiger, die auch eine Beratungsstelle oder ein Frauenhaus in Springe ins Spiel gebracht hatte (wir berichteten), begrüßt die angeschobenen Maßnahmen: „Der tatsächliche Bedarf steht meines Erachtens nach vollkommen außer Frage: Ein Frauenhaus oder eine Beratungsstelle muss perspektivisch im Südwestkreis der Region etabliert werden.“ Statistisch sei jede dritte Frau von körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt betroffen – in allen Bevölkerungsschichten: „Ein Chefarzt ist genauso der Täter wie ein Maurer.“ Für den Ausbau des Angebots vor Ort sei wichtig, dass es neben passenden Trägern vor allem die Rückendeckung der lokalen Politik gebe. Die Idee der neuen Notaufnahmestelle sei sowohl Innovation als auch Notwendigkeit zum Schutz gewaltbetroffener Frauen und deren Kindern. In der kommenden Woche nimmt Rödiger an Gesprächen bei der Region teil, bei denen das weitere Vorgehen abgesprochen werden soll.



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